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Fünfeichen ist eine Mahn- und Gedenkstätte,

die sich südlich am Stadtrand Neubrandenburgs befindet. Es ist ein Ort der Trauer und des Gedenkens. Die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes schuf nach vielen Jahren des Verschweigens die Voraussetzung zur Gestaltung der Gedenkanlage. Mehr als zehntausend Menschen sind auf den drei Grabfeldern im Wald von Fünfeichen begraben.

  Kriegsgefangenenfriedhof,
  Nördlicher Friedhof des NKWD-Lagers von 1945,
  Südfriedhof des NKWD-Lagers 1946 – 1948,

Den Toten zweier Diktaturen unter Hitler und Stalin wird stumm und schweigend in Ehrfurcht gedacht.

Zeitgeschichtlicher Ablauf

1938

erwirbt die deutsche Wehrmacht das Gut Fünfeichen von der damaligen jüdischen Besitzerin Olga von Maltzahn

1939

am 12. September, Einlieferung der ersten polnischen Kriegsgefangenen. Bis Kriegsende sind im Lager Gefangene aus zehn europäischen Staaten sowie aus den USA inhaftiert.

1941

wird im südlichen Teil des Lagergeländes das Lager für sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet.

1945

am 28. April, erreichen sowjetische Panzer das Kriegsgefangenenlager. Es wurde von dem deutschen Kommandanten des Stalag II A*¹, Hauptmann Menzel, dem Kommandeur der sowjetischen Panzereinheit, übergeben. Nach bisherigen Forschungsergebnissen sind in diesem Lager mindestens 5 100 sowjetische und 400 Kriegsgefangene anderer Nationalitäten ums Leben gekommen. Das Lager durchliefen etwa 120 000 Kriegsgefangene.
Von Mai bis September 1945 wurden das Lagergelände und die Panzerkasernen  für die Unterbringung befreiter Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter bis zur ihrer Rückkehr in die Heimat als Repatriierungslager genutzt.
Mit dem Freiwerden der Baracken nutzte der sowjetische Geheimdienst NKWD diese weiter und richtete das Speziallager Nr. 9 für die Internierung vorwiegend deutscher Personen ein, die verhaftet wurden, weil sie ehemals im Dienste des NS-Regimes standen und nun umerzogen werden sollten. Diese Umerziehung fand nie statt. Ebenso befanden sich unter den Häftlingen  u.a. Personen, die gegen die Regelungen der Besatzungsmacht verstießen, Jugendliche unter Werwolf-Verdacht, Denunzierte.
Insgesamt waren hier zwischen 1945 und 1948 ca. 15 000 Personen interniert, von denen 4 900 an Krankheiten und Hunger verstarben.

1948 im Sommer

Von Juli bis September 1948 wurden 5 181 in die Freiheit entlassen. 2 800 Häftlinge verblieben im Lager,
2 600 von ihnen wurden in das ehemalige KZ Buchenwald, das Speziallager Nr. 2 weiterverlegt und verblieben dort bis zur Auflösung des Lagers 1950. Das restliche Kommando kam in das Speziallager Nr. 7, das ehemalige KZ Sachsenhausen.
Im November 1948 existierte das Lager nicht mehr.

1958-1961

Anlage der Gedenkstätte des Kriegsgefangenlagers. Das Gelände war auf Grund der Nutzung durch die Nationale Volksarmee der DDR unzugänglich.

1990

Mitte März entdeckten Mitarbeiter des Regionalmuseums Hinweisen aus der Bevölkerung folgend die Massengräber des NKWD-Lagers.

1991

26. April, offizielle Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen“ zur Aufarbeitung der Schicksale der Internierten des NKWD-Lagers.

1993

Einweihung der neugestalteten Gedenkanlage. Das gestützte Kreuz im Eingangsbereich wird das Symbol der „Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen".

1999

November, Einweihung und Übergabe von 59 Bronzetafeln mit den Namen von 5.169 Toten des Lagers Fünfeichen am großen Gräberfeld im Wald von Fünfeichen. Durch Übertragungsfehler sind einige Namen doppelt auf den Tafeln zu finden.

2000

September, das Neubrandenburger Stadtarchiv erwirbt über einhundert Fotoreproduktionen vom russischen Staatsarchiv, Moskau; es handelt sich um die bisher einzigen Aufnahmen aus einem NKWD-Lager, die bekannt wurden. Zwanzig ausgewählte Aufnahmen werden in dem Buch “Die Opfer von Fünfeichen – Gedanken und Erinnerungen” veröffentlicht; die Ansicht der kompletten Sammlung ist im Stadtarchiv nach vorheriger Anmeldung kurzfristig möglich.

2001

Dezember, das Stadtarchiv erhält vom russischen Staatsarchiv Mikrofiches der beiden Lagerzugangsjournale, die die Listen mit fast 15 000 Namen der Internierten enthalten. Anfragen zu Vermissten können unter Angabe des Namen, Vornamen und des Geburtsjahres schriftlich, per Fax oder E-Mail an das Neubrandenburger Stadtarchiv gerichtet werden. Die Rückübertragung der Namen aus dem Russischen beginnt.

2007

Im April wird das Bronzemodell des ehemaligen Lagergeländes enthüllt. Es macht unterschiedliche Nutzungsphasen durch die deutsche Wehrmacht und das sowjetische NKWD sichtbar.

2008

Am Rande der Gedenkstätte wird zu Ehren der Verstorbenen eine Totenglocke geweiht. Diese stammt aus dem alten Glockenstuhl der Marienkirche.

2012

wird auch für die Lager in Fünfeichen ein Lehrpfad entwickelt. An verschiedenen Stellen sind zweisprachige Stelen installiert, die auf die historische Bedeutung hinweisen und so den authentischen Ort lebendig werden lassen.

2015

Am 9. Mai 2015 erhalten auch die Verstorbenen der Kriegsgefangenenlager ihre Namen zurück. Ein seit 2007 laufendes Forschungsprojekt des Stadtarchivs kommt damit zum vorläufigen Abschluss.
Die Namen von über 400 toten Soldaten und Offizieren aus neun Staaten und über 5 100 verstorbene Rotarmisten aus der ehemaligen Sowjetunion sind auf Namenstafeln zu lesen.

 

Anschrift:
Neubrandenburger Stadtarchiv
Marktplatz 1 / Eingang Darrenstraße
17033 Neubrandenburg
Tel. 0395 555-2886
Fax 0395 555-2930

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*¹ Stalag II A: Stammlager, Wehrkreis II, Lager A
*² NKWD: Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten der UdSSR

Link:

Volksbund Deutsche Kriegsgräberführsorge e.V.

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