Wall- und Wehranlage
Die vier Tore Drucken E-Mail

Den Höhepunkt der mittelalterlichen Wehranlage bilden die vielgerühmten vier Stadttore. Sie geben Neubrandenburg auch den Beinamen "Stadt der vier Tore". Die zunächst hölzernen Verbindungstore zwischen Stadtinnerem und Außenwelt wurden Anfang des 14. Jahrhunderts nach und nach durch die heutigen Backsteinbauten ersetzt. Ihre Verteidigung oblag den vier Hauptzünften unter Leitung der vier Bürgermeister, die sich im Mittelalter die Regierung der Stadt teilten. Mit der Gründung des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz wurden im 18. Jahrhundert in alle vier Toranlagen ein Zollhaus für den fürstlichen Steuereinnehmer und ein Torwächterhaus eingefügt: kleine Fachwerkbauten, die sich dicht an die Zwingmauern schmiegen. Bemerkenswert ist, dass noch bis zum Jahre 1863 in Neubrandenburg Torzwang bestand. Abends wurden die Tore geschlossen und erst am folgenden Morgen war ein Passieren der Stadtmauer wieder möglich.

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Das Friedländer Tor Drucken E-Mail

ist die älteste, in ihrer Komplexität am besten erhaltene und mit 88 Metern Länge zugleich die umfangreichste Toranlage. Das stadtseitige, 20 Meter hohe Haupttor wurde um 1300 erbaut. Das feldseitige Vortor entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Obwohl letzteres aus rein verteidigungstechnischen Zwecken gebaut wurde, hat man auf Schmuck- und Zierelemente nicht verzichtet. Beide Tore sind durch Mauern verbunden, die den Zwinger bilden. Ergänzt wurde diese Anlage ein Jahrhundert später durch den dreigeschossigen, acht Meter hohen Zingel. Dieser war wiederum durch Mauern mit dem Vortor verbunden und bildete somit einen weiteren Zwinger. Die halbrunde Bastion schützte das Tor vor großkalibrigen Feuerwaffen wie ein Kugelfang, diente auch der aktiven Verteidigung, wie man an den vorhandenen Schießscharten erkennen kann. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Torkomplex restauriert. Im ehemaligen Zollhaus des Steuereinnehmers lädt Sie ein gemütliches Café zum Verweilen ein.

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Das Neue Tor Drucken E-Mail

wurde als jüngstes der vier Neubrandenburger Tore erst nach 1450 erbaut. Der entscheidende Grund für die Errichtung dieses Tores war wohl, dass man die Hauptverkehrswege durch die Stadt entlasten wollte. 1852 wurde das Vortor, da es baufällig war, abgetragen. Somit ist nur noch das Haupttor erhalten. Der einstige unvollendete Zingel wurde bereits im 30-jährigen Krieg zerstört. Dennoch fügt sich auch das Neue Tor würdig in die Wehranlage ein. In den Giebelnischen der Stadtseite befinden sich auch hier acht überlebensgroße Figuren aus Terrakotta, die Adorantinnen. Im Gegensatz zu denen am Stargarder Tor sind diese unterschiedlich groß, haben eine andere Armhaltung und die Länge ihrer Gewänder variiert. Auch fehlt hier die mittlere neunte Figur. Heute ist das Tor Sitz der Fritz Reuter Gesellschaft e. V. und Ort verschiedener literarischer Veranstaltungen.

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Das Stargarder Tor Drucken E-Mail

ist das zweitälteste Tor und bildet den südlichen Zugang zur Stadt. Im 14. Jahrhundert  wurden ein 24 Meter hohes Haupttor (1310) und ein 18 Meter hohes Vortor errichtet. Beide Tore wurden durch 40 Meter lange Zwingmauern miteinander verbunden, dazwischen ist ein Zollhaus. Besonders die reich geschmückte feldseitige Fassade des Vortores symbolisiert den Höhepunkt norddeutscher Backsteingotik. Zwei vorgelagerte Mühlen, von denen nur noch die Lohmühle (heute Gaststätte) erhalten ist, waren in die Befestigung mit einbezogen und bildeten so ein schützendes Vorwerk. Eine Besonderheit des Tores sind die neun fast lebensgroßen Figuren aus Terrakotta und verputztem Ziegelmauerwerk, die Adorantinnen. Viele Hypothesen wurden im Laufe der Jahre über sie aufgestellt. Die wahre Bedeutung der Figuren ist bis heute ungeklärt.

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Das Treptower Tor Drucken E-Mail

ist das höchste und zugleich das repräsentativste der vier Stadttore. Es dokumentiert am augenscheinlichsten den Wohlstand des mittelalterlichen Neubrandenburgs und den Stolz seiner Bürger. Das stadtseitige Haupttor, gebaut um 1400, hat eine Höhe von fast 32 Metern und überragt das feldseitige Vortor turmartig um fast das Doppelte. Dies bot die Möglichkeit, weit über das Vortor hinweg das Gelände zu beobachten und zu verteidigen. Bereits 1873 ist das Treptower Tor dann zu einem städtischen Museum, dem ältesten bürgerlichen Museum in Mecklenburg-Strelitz, ausgebaut worden. Heute beherbergt das Haupttor die Ausstellungen zur Ur- und Frühgeschichte des Regionalmuseums Neubrandenburg. Der Zwinger ist mit seinen 34 mal 10 Metern kleiner als die Zwinger der anderen Tore. In die südliche Zwingermauer ist im 18. Jahrhundert ein Fachwerkhaus für die Torwächter und den Steuereinnehmer eingebaut worden. Im Jahre 1856 wurde daneben das erste Telegrafenamt der Stadt errichtet. Die vorgelagerte Vierrademühle, 1271 erstmals erwähnt, war durch Mauern und andere Bollwerke mit der Treptower Toranlage verbunden.

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Die Wiekhäuser Drucken E-Mail

Eine Besonderheit der Neubrandenburger Stadtmauer sind ihre Wiekhäuser, die wie Schwalbennester an der Stadtmauer kleben. Im Zuge der Errichtung der Stadtmauer zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden insgesamt 57 Wiekhäuser im Abstand von circa 30 Metern in die Befestigungsanlage eingebaut. Sie dienten in Kriegszeiten als Kampfhäuser. Als rechteckige Mauervorsprünge boten sie die Möglichkeit, den anstürmenden Feind bereits vor der Mauer abzuwehren. Da sie die Stadtmauer beträchtlich überragten, galten sie auch als Beobachtungstürme. Einige hatten ein Dach, andere eine offene Plattform mit Zinnen. In ihrer ersten Form waren sie nach der Stadtseite hin offen. Damals verfügten die Wiekhäuser über bis zu vier Etagen. Durch die Schießscharten in den Geschossen konnte der angreifende Gegner aus sicherer Deckung bekämpft werden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und mit weiterentwickelter Kriegstechnik hatte die Wehranlage ihre Wirksamkeit verloren und Neubrandenburg gab seinen Festungscharakter auf. In einem Teil der Wiekhäuser fanden die Armen der Stadt Unterkunft. Einige der Häuser waren noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts bewohnt. 25 Wiekhäuser hat die Stadt bisher wiedererrichtet, davon 23 in der alten Fachwerkbauweise und zwei als historische Wehrtürme. Heute beherbergen sie u. a. öffentliche Einrichtungen, Vereine, künstlerische Werkstätten, Gaststätten, Kneipen und kleine Geschäfte.

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Die Wehranlage Drucken E-Mail

Egal, aus welcher Richtung Sie Neubrandenburg erreichen, wollen Sie die Innenstadt besuchen, müssen Sie die alte Wehranlage passieren, die das Zentrum wie ein Ring umschließt. Spaziergänge entlang der Stadtmauer und auf den Wällen sind bei Einheimischen und Besuchern gleichermaßen beliebt. Hier können Sie noch heute einen Hauch von Romantik verspüren, die Zeit scheint an manchen Orten stehengeblieben zu sein. Die alte Wehranlage ist ein Meisterstück mittelalterlicher Baukunst, das bis in die heutige Zeit in seiner ursprünglichen Schönheit erhalten ist. Geprägt wird sie von der Stadtmauer mit ihren vier prächtigen gotischen Stadttoren, den maueraufgesetzten Wiekhäusern, dem Fangelturm und nicht zuletzt durch die idyllische Wallanlage mit ihrem mächtigen Eichenbestand. Nehmen Sie sich die Zeit, dieses einmalige Bauwerk der Backsteingotik zu entdecken.

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Die Wallanlage Drucken E-Mail

Es gibt wohl keine zweite Stadt, die einen so geschlossenen Doppelringwall um ihre beeindruckende mittelalterliche  Stadtmauer besitzt wie Neubrandenburg. Zu jeder Jahreszeit bietet dieser Gürtel eindrucksvolle Naturerlebnisse, überraschende Sichten durch das Grün auf Wiekhäuser, Tore und Türme und faszinierende Eindrücke von der Wehrhaftigkeit einer mittelalterlichen Stadt. Ein reicher Wildblumenflor erfreut im Frühjahr und Sommer Auge und Herz. Der goldene Herbst taucht den Wall in bunte Farben und der Winter verwandelt ihn in eine glitzernde weiße Zauberwelt. Die Wallanlage besteht aus einem Doppelwall mit drei Gräben, die ursprünglich mit Wasser gefüllt waren. Die dazu notwendigen und aufwendigen Wasserbaumaßnahmen erfolgten bereits im Mittelalter. Der innere Wall ist 20 bis 30 Meter von der Stadtmauer entfernt. Ebenso groß ist der Abstand zwischen den Wällen. Damit beträgt die Ausdehnung der Anlage teilweise bis zu 70 Metern. Nach dem Verlust seiner Funktion als Schutzbau für die Stadt musste der Wallgürtel als Holzreservoir, Viehweide und sogar Fischteich herhalten. Zahlreiche Arzneipflanzen künden zudem vom früheren Gebrauch des Walles als Hausapotheke und -garten. Erst ab 1824 wurde der Wall als Stadtpromenade hergerichtet. Typisches Wahrzeichen des Walles sind die Eichen. Einige von ihnen sind sogar schon mehr als 300 Jahre alt. Und noch eine weitere botanische Besonderheit bietet der Wall: den Seltsamen Lauch. Dieses Zwiebelgewächs bedeckt im Frühjahr große Flächen und verströmt einen aromatischen Duft.

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Die Stadtmauer Drucken E-Mail

Nach der Stadtgründung im Jahr 1248 waren die Neubrandenburger bemüht, ihre Stadt in einen guten Verteidigungszustand zu versetzen. Um sich vor kriegerischen Angriffen zu schützen, wurde ein hölzerner Palisadenzaun errichtet. Mit dem wirtschaftlichen Erstarken der Stadt ab 1300 ging man dann dazu über, im Schutze des Zaunes einen steinernen Befestigungsgürtel zu bauen. Das imposante Bauwerk bot einen wirksamen Schutz gegen Eindringlinge.
Die Stadtmauer, heute noch nahezu vollständig erhalten, umschließt in ihrer Gesamtlänge von 2,3 Kilometer und mit einer Höhe von bis zu 7,50 Meter fast kreisförmig den gesamten Stadtkern. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war dieser Mauerring vollständig geschlossen. Die einzigen Zugänge in die Stadt bildeten die vier Tore. Erst als Neubrandenburg 1864 einen Eisenbahnanschluss bekam, öffnete man die Stadtmauer in Höhe des Bahnhofs. Im Volksmund wurde dieser Durchbruch „Eisenbahntor“ genannt. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurden dann weitere Durchgänge zum Wall geschaffen.

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