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Datum: 19.01.2026

Highlights des Ausstellungsjahres 2026 in der Kunstsammlung Neubrandenburg

Die Kunstsammlung Neubrandenburg, 1982 als eine von vier Institutionen für zeitgenössische Kunst in der DDR gegründet, sammelt, forscht und vermittelt seit über vier Jahrzehnten bildende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Für 2026 ist ein umfangreiches Ausstellungsprogramm geplant.

Kristina Schuldt: Tatjana
Malerei und Arbeiten auf Papier
Laufzeit: 5. Februar bis 3. Mai 2026
Eröffnung: 4. Februar 2026, 17:00 Uhr

Am 4. Februar 2026 eröffnet die erste Einzelausstellung der Leipziger Malerin Kristina Schuldt in der Kunstsammlung Neunbrandenburg. Unter dem Titel „Tatjana" vereint die Ausstellung neueste Gemälde und Arbeiten auf Papier der Künstlerin, die eine ikonische, zeitgenössische Bildsprache von hoher Intensität entwickelt hat.
In den farbintensiven Bildern von Kristina Schuldt verschmelzen kunsthistorische und literarische Referenzen mit politischen, feministischen und persönlichen Themen zu rätselhaften, zugleich humorvollen Kompositionen. Ihre Bilder reflektieren die zerstreute Aufmerksamkeit unserer hochvernetzten Gegenwart und vermitteln den Menschen als eine im Bildraum gleichzeitig ein- wie auftauchende Gestalt. Nichts erscheint statisch oder abgeschlossen – eine explosive, dynamische Kraft durchdringt die zum Teil großformatigen Arbeiten und lässt sie nahezu übervoll wirken.
Mit multiperspektivischen, fragmentierten Formen und expressiven Farbverläufen knüpft Schuldt an die Bildgestaltungen des Kubismus an. Georges Braque, Tamara de Lempicka und Fernand Léger ebenso wie die Farbigkeit Sonia Delaunays scheinen in ihren Kompositionen nachzuklingen. Diese Elemente fungieren als Vokabular einer Bildsprache, mit der Schuldt Unordnung, Zufall, Gleichzeitigkeit und Unsicherheit transportiert – und damit ein Lebensgefühl unserer Zeit einfängt.

Zur Künstlerin
1982 in Moskau geboren, emigrierte Kristina Schuldt Mitte der 1980er Jahre mit ihren Eltern nach Neubrandenburg, wo sie aufwuchs und erste künstlerische Impulse erhielt. Nach ihrem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, das sie 2012 als Meisterschülerin von Neo Rauch abschloss, entwickelte sie ein eigenständiges Werk mit Fokus auf die menschliche Figur, insbesondere dem weiblichen Körper. Heute lebt und arbeitet Schuldt in Leipzig. Ihre Werke wurden in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und sind weltweit in institutionellen wie privaten Sammlungen vertreten. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin.

Vernissage
Vernissage: Mittwoch, den 4. Februar 2026, ab 17 Uhr ein. Das Grußwort zur Ausstellungseröffnung spricht Peter Modemann, Stellvertreter des Oberbürgermeisters. In das Werk der Künstlerin wird Ulrike Pennewitz, Leiterin der Kunstsammlung Neubrandenburg, einführen. Die Künstlerin ist zur Ausstellungseröffnung anwesend.

Begleitprogramm
Zur Ausstellung bietet die Kunstsammlung Neubrandenburg ein Künstlerinnengespräch, Sonderführungen und museumspädagogische Angebote an.


Wohnkomplex -- Neubrandenburg
Malerei, Arbeiten auf Papier, Objekte und Druckgrafik
In Zusammenarbeit mit dem Gastkurator Kito Nedo
14. Mai bis 2. August 2026
Eröffnung 13. Mai, 17:00 Uhr

Die Ausstellung „Wohnkomplex – Neubrandenburg" widmet sich einem Architektur- und Lebensmodell, das die Vier-Tore-Stadt wie kaum eine andere in Deutschland prägt: dem Plattenbau. Die Ausstellung untersucht mit Positionen der jüngeren Kunstgeschichte und Gegenwartskunst, wie dieser Wohn- und Bautyp bis heute in Stadtlandschaft und Gesellschaft nachwirkt. Vor dem Hintergrund der rasant voranschreitenden Wohnungsnot in Deutschland liefert die Ausstellung auch Bezüge zu einer der großen gesellschaftspolitischen Herausforderung der Gegenwart.
Der Plattenbau war einst das Herzstück der DDR-Sozialpolitik – ein Ort der Vergesellschaftung und ein Symbol für den realsozialistischen Fortschritt. In Neubrandenburg manifestierte sich dieses Modell bis zum Jahr 1990 mit einer eher positiven Resonanz. Nach dem Ende der DDR wurde der Plattenbau zum Schauplatz schmerzhafter Transformationen und sozialer Spaltung. Heute befindet er sich selbst in einem Transformationsprozess zwischen Denkmalwert und gelebter Gegenwart – ein Erinnerungsort, an dem das Wohnen und Leben weitergeht.
„Wohnkomplex – Neubrandenburg" erweitert das von Kito Nedo für das MINSK in Potsdam entwickelte Konzept um eine (selbst-)kritische Auseinandersetzung vor Ort. Zwischen neuer Identitätsfindung und Erinnerungskultur fokussiert die Ausstellung das Erleben und Leben in dieser besonderen Architektur. Gezeigt werden Werke aus der Kunstsammlung Neubrandenburg sowie künstlerische Gegenwartspositionen, die Wandel und Kontinuität einer Entwicklung in den Widersprüchen der Transformationsgesellschaft in Ostdeutschland beispielhaft beleuchten.

Künstler
Unter anderen werden Werke gezeigt von: Karl-Heinz Adler, Sibylle Bergemann, Günther Brendel, Manfred Butzmann, Wolfgang Mattheuer, Uwe Pfeifer, Juli Schupa, Robert Seidel, Volker Stelzmann, Christian Thoelke und Claus Weidensdorfer.
Die Ausstellung ist Teil des Rahmenprogramms Ostmoderne der Stadt Neubrandenburg und wird begleitet durch Führungen, Künstlergespräche und museumspädagogische Angebote. Eine Publikation ist in Vorbereitung.


Jahresausstellung 2026
Räume der Sehnsucht – Surrealismus und magischer Realismus der Kunst in der DDR
Laufzeit 11.09.2026– 22.11.2026 | Eröffnung: 10.09., 17 Uhr
Der Surrealismus und magischer Realismus der Kunst in der DDR unterminierte die politisch-ästhetischen Paradigmen des Sozialistischen Realismus auf subtile Weise. Künstlerinnen und Künstler wie Carlfriedrich Claus, Manfred Kastner, Bernd Hertel, Alexandra Müller-Jontschewa, Horst Sakulowski oder Heinz Zander entwickelten eine Malerei und Grafik, um individuelle Wege innerhalb der kulturellen und künstlerischen Landschaft der DDR zu gehen. Mit den Mitteln der Bildpoetik und in einer Weiterentwicklung des europäischen Surrealismus und magischen Realismus wurden Hoffnung, Zweifel, Widerstand und Resignation zu den Hauptthemen von Bildwelten, die jenseits konformer Realitätsabbildungen sich im Magischen bewegen – und bis in unsere Gegenwart nichts an ihrer Faszination und Gültigkeit verloren haben.
Die Ausstellung wird begleitet von Lesungen im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage, Führungen und museumspädagogischen Veranstaltungen.


Ausstellungen in der Reihe Im Hier Im Jetzt
Kabinett der Kunstsammlung Neubrandenburg

Mit der Gründung des Zentrums Bildende Kunst Neubrandenburg 1969 unter dem ersten Direktor Klaus Werner und seiner Nachfolgerin Ruth Crepon entstand eine außergewöhnliche Kunstregion. Künstlerinnen und Künstler zog es von überall nach Neubrandenburg und in die Seenplatte. Sie schufen Werke für den öffentlichen Raum und ließen sich ebenso von der charakteristischen Landschaft und der wachsenden Stadt inspirieren als sie auch kritisch die Situation der DDR-Mangelwirtschaft und der Zeit nach 1990 reflektierten. Ihr Schaffen prägt die regionale Kunstentwicklung bis heute.

Die Ausstellungsreihe Im Hier Im Jetzt der Kunstsammlung Neubrandenburg widmet sich Kunstschaffenden aus Neubrandenburg und der Seenplatte-Region, ihrer Vielfalt sowie ihrer kulturellen und künstlerischen Identität. Sie bietet zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern eine institutionelle Plattform und lädt zum gleichberechtigten Dialog zwischen Tradition und Gegenwart ein.
Die Ausstellungserie entsteht in Zusammenarbeit mit den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern und dem Archiv Bildende Kunst Mecklenburgische Seenplatte.


IM HIER IM JETZT
Karlheinz Wenzel
bis 1. März 2026

Der Maler und Grafiker Karlheinz Wenzel zählt zu den prägendsten Künstlerpersönlichkeiten der Region Mecklenburgische Seenplatte und der Stadt Neubrandenburg. Der im Oktober 2025 verstorbene Künstler malte und zeichnete farbintensive Bilder norddeutscher Landschaften und Städte, schuf eingängige Porträts, großflächige Wandgemälde und Reliefs. Wie kaum ein anderer bereicherte Wenzel mit seinem künstlerischen Schaffen und seinem vermittelnden Wesen in künstlerischen Malzirkeln über Jahrzehnte hinweg den Kunstraum der Region als Maler, als Lehrer und Mentor – und als Mensch.

Die Kunstsammlung Neubrandenburg widmet dem Künstler und Menschen Karlheinz Wenzel in Zusammenarbeit mit Saskia Wenzel und dem Archiv Bildende Kunst, Mecklenburgische Seenplatte die erste Sonderausstellung in der Reihe Im Hier Im Jetzt Karlheinz Wenzel mit Werken aus der Sammlung und dem Nachlass des Künstlers. Neben seinen bekannten Gemälden wie Die große Rosin – Neues Weideland am Kummerower See (1972) und Junge Köchin (1975) werden auch seine sensiblen Radierungen und sein abstrakt-informelles Spätwerk gezeigt.


IM HIER IM JETZT
Dana JES
Porzellanobjekte, Zeichnungen und Collagen
12. März bis 31. Mai 2026 / Eröffnung, 11. März, 17:00 Uhr

Die Skulpturen, Gefäße, Assemblagen und Zeichnungen von Dana JES sind zeitgenössisch und zugleich tief verwurzelt in der Tradition der Arbeit mit Ton, Porzellan und Glasur. Diese Materialien dienen ihr als Träger für Ideen, die von den Bewegungen des Wassers, der Textur von Baumrinden und Bienenwaben, dem Spiel von Licht und Schatten und den sanften Hügeln der Seenplatte inspiriert sind. Die Werke der Künstlerin, die in Röbel an der Müritz geboren wurde und in Halle an der Saale an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Freie Kunst studierte, sind eng mit der Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte verbunden, in der sie heute lebt und arbeitet. Doch die Künstlerin sucht auch den Austausch in Japan, Russland und den USA, wo sie neue Techniken und Perspektiven kennenlernte. Diese Eindrücke fließen subtil in ihre Arbeiten ein und verleihen ihnen eine universelle Sprache poetischer Seelenbilder, die Vollkommenheit im Unvollkommenen und Zufälligen finden lassen und dem scheinbaren Riss als Teil der Ganzheit akzeptieren lehrt.
Dana JES’ Werke sind in regionalen und internationalen Ausstellungen zu sehen. Sie engagiert sich in Projekten wie „Kunst und Kirche“, die das Publikum auf neue Weise mit Kunst in Kontakt bringen.


Weitere Termine:

  • Internationaler Museumstag
    Magazinführungen und museumspädagogisches Programm, freier Eintritt
    Sonntag, 17. Mai 2026
  • IM HIER IM JETZT - Wolfram Schubert (zum 100. Geburtstag in Planung)
    11. Juni bis 30. August 2026
    Eröffnung, 10. Juni, 17:00 Uhr
  • MeiNIBild
    Freizeitkünstlerinnen und -künstler aus Neubrandenburg und Umgebung
    20. bis 30. August 2026
    Eröffnung: 19. August, 17:00 Uhr
  • MeiNIBild – Das Fest
    Aktion zum Vier-Tore-Fest mit Kinderprogramm, Workshops und Musik
    28./29. August 2026
  • 32. Herbstsalon
    Verkaufsmesse bildender Künstlerinnen und Künstler
    12. September 2026, 10:00 – 17:00 Uhr


Hintergrund
Die Kunstsammlung Neubrandenburg, 1982 als eine von vier Institutionen für zeitgenössische Kunst in der DDR gegründet, sammelt, forscht und vermittelt seit über vier Jahrzehnten bildende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Auf 400 Quadratmetern barrierefreier, klimatisierter Ausstellungsfläche präsentiert sie drei Dauerausstellungen, bis zu drei Sonderausstellungen, Kabinettausstellungen in der Reihe »Im Hier Im Jetzt« sowie die Verkaufsmesse »Herbstsalon«. Mit Publikationen und Veranstaltungen fördert und vermittelt die Kunstsammlung Neubrandenburg internationale wie regionale zeitgenössische Kunst und künstlerische Entwicklungen. Die kommunale Institution der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg bewahrt heute eine umfangreiche Sammlung von über 8.500 Werken und Dokumentationen regionaler und überregionaler Künstlerinnen und Künstler sowie eine Spezialbibliothek. Die Dauer- und Sonderausstellungen werden von museumspädagogischen Angeboten begleitet und altersgruppengerecht vermittelt. Der Freundeskreis der Kunstsammlung Neubrandenburg e. V. unterstützt die Arbeit der Institution im Ehrenamt.