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Denkmal des Monats

August 2019 - Kaserne Haus Nr. 8, Wandrelief - Weg am Hang 35

Südöstlich der Neubrandenburger Innenstadt liegt auf einer Anhöhe die ab 1938 errichtete heutige Tollensekaserne.

Wesentliche Teile der Kaserne sind seit 2010 als Denkmalbereich geschützt. Zusätzlich gehören zum Komplex zwei als Einzeldenkmale geschützte DDR-zeitliche Kunstwerke: das Soldatendenkmal in der Nähe der Nordwache und das Relief über dem Eingang des Anfang der 1970er Jahre als Stabsgebäude im südlichen Bereich der Kaserne errichteten Hauses Nummer 8. Die Entstehungsgeschichte des Reliefs wurde dabei erst kürzlich durch das Stadtarchiv näher beleuchtet. So wurde im Jahr 1971 im Zusammenhang mit der Errichtung des Hauses 8 ein Vertrag zwischen der Nationalen Volksarmee (NVA) und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee für die Gestaltung des 5 x 8 Meter großen Kunstwerkes am Gebäudeeingang über eine Vertragssumme von 70.000 Mark abgeschlossen.

Als richtungsgebendes Thema wurde bereits mit Vertragsabschluss die Darstellung des „Humanistischen Charakters der Nationalen Volksarmee“ vorgegeben. Gefertigt wurden die Platten zunächst als Gipsnegative, die dann durch die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Betonkunst aus Petersdorf/Bad Saarow in Beton gefertigt und geliefert wurden. Nachdem der Termin mehrfach und zwischenzeitlich auf den Tag der Republik am 7. Oktober 1973 verschoben wurde, gibt es einen Hinweis von März 1974, dass die Abnahme und somit die Fertigstellung der Arbeit erfolgt war.

Weitere Hinweise zur Geschichte und Entstehung der Kunstwerke in der Kaserne nimmt die untere Denkmalschutzbehörde dankend entgegen.

Juli 2019 - Wohnblock - Prenzlauer Straße 2/4/6

Das Gebäude Prenzlauer Straße Nr. 2, 4, 6 liegt gegenüber einem langgestreckten Reihenhaus an einer rechteckigen platzartigen Freifläche mit weiteren Einzelgebäuden. Das ist, in Anlehnung an die Gedanken der Gartenstadt Mitte der 1930er Jahre angelegten Ihlenfelder Vorstadt, durchaus typisch.

Der viergeschossige und zehnachsige ziegelsichtige Wohnblock mit Walmdach wurde im Jahr 1936 errichtet. Der Gebäudeteil unter der Nr. 6 setzt sich jedoch durch eine Baufuge vom restlichen Gebäude ab. Auch der Eingang ist mit seiner nach innen verlegten Eingangstür anders gestaltet, sodass angenommen werden kann, dass dieser Gebäudeteil entweder zeitgleich oder kurz nach Fertigstellung der Nr. 2 und 4 ergänzt wurde.

Durch die insgesamt schlichte Gestaltung des Wohnblockes gewinnen die ebenfalls in Ziegel ausgeführten Gliederungselemente, wie Sockel, Gurtgesims, Traufe, Hauseingänge, im Bereich der Fenster sowie rückseitigen Treppenhäuser, umso mehr an gestalterischem Wert.

Bis dato zum Teil noch vorhandene historische Fenster und Außentüren sind bereits bei einer Sanierung in den 1990er Jahren verloren gegangen. Im Gebäudeinneren haben sich bis heute jedoch insbesondere die Holztreppen und die Fußbodenbeläge (Terrazzo und Fliesenbelag) der Eingangsbereiche sowie vereinzelte Innentüren erhalten.

Nach Abschluss der derzeit laufenden Sanierung wird die Fassade wieder um ein historisches Detail reicher, welches über die Jahre fast verschwunden war und erst von einem Restaurator wiederentdeckt wurde. Während der Fugenmörtel in der Fläche sandfarben ist, haben die hervortretenden Gliederungselemente fast schwarze Fugen.

Juni 2019 - Sankt Georg - Kapelle

Die Kapelle, benannt nach dem Heiligen Georg, stammt aus dem Jahr 1308. Seit dem 11. Jahrhundert wird der Heilige Georg als Reiter im Kampf mit dem Drachen verehrt. Er ist Schutzpatron von Kaufleuten und Reisenden, aber auch von Spitälern und Beschützer der Kranken und Elenden. Die Kapelle mit Friedhof wurde ursprünglich zur Unterbringung an Lepra erkrankter Pilgerer und später von Pestkranken außerhalb der Stadt errichtet. Die geistliche Betreuung der Kranken erfolgte durch das benachbarte Kloster Broda. 1868 wurde dann der Bürgerhospitalverein gegründet, in dessen Eigentum Kapelle und umliegende Häuser übergingen. Bestattungen fanden im Umkreis von Sankt Georg noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts statt, bis dann 1896 der Friedhof Broda angelegt und geweiht wurde.

Umbauten an dem frühgotischen ungewölbten Backsteinbau auf Feldsteinsockel fanden insbesondere im 18. Jahrhundert statt. Ursprünglich hatte die Kirche vermutlich ein Satteldach, auch der Dachreiter ist in seiner heutigen Form eine Zutat des Rokokos.

Die mittelalterlichen Ausstattungsstücke aus dem Gebäudeinneren befinden sich heute in der Kirche Sankt Johannis und im Regionalmuseum.

Nachdem die Kapelle zuletzt im Jahr 1994 grundlegend saniert wurde, finden seit dem April dieses Jahres erneut Arbeiten insbesondere am Dach des Gebäudes statt. Probleme bereitete zuletzt die undichte Dachdeckung, aber auch Dachtragwerk und Traufgesims haben sich während der Arbeiten als marode erwiesen.

Mai 2019 - Wohnhaus Malzstraße 100

Infolge des Machtantrittes der Nationalsozialisten im Jahr 1933 siedelten sich in Neubrandenburg insbesondere Rüstungsbetriebe, wie die Curt-Heber-Werke/Mechanische Werkstätten (MWN), und militärische Nutzer, wie die Kaserne am Hang und der Flugplatz Trollenhagen sowie die Torpedoversuchsanstalt (TVA), an. Aufgrund dieser Entwicklung stieg die Einwohnerzahl von 15.723 im Jahr 1933 auf 24.000 im Jahr 1941. Als neue Wohngebiete entstanden die Ihlenfelder Vorstadt, das Vogelviertel, Am Blumenborn sowie das Brauereiviertel im nördlichen Stadtgebiet unterhalb des Datzebergs.

Zur Erbauungszeit wurde die Siedlung als SA-Siedlung bezeichnet, die Straßen waren nach Anhängern der NS-Bewegung benannt. Die gleichförmig wirkenden Ziegelbauten mit einheitlich roten Satteldächern und
großzügigen rückwärtigen Gärten zur Selbstversorgung sind innerhalb eines rechtwinkligen Straßenrasters angeordnet, lediglich der Wechsel zwischen Einzel- und Doppelhäusern verschafft Abwechslung.

Das 1937 errichtete Einfamilienhaus (ca. 65 m² Wohnfläche) in der Malzstraße 100, früher Claus-von-Pape-Straße, spiegelt bis heute den bauzeitlichen Zustand der Siedlungshäuser authentisch wider und hat daher einen besonderen Zeugniswert für die gesamte Siedlung. Viele der anderen Häuser sind inzwischen stark durch An- und Umbauten überformt. Neben Grundriss und Stallanbau sind auch die Fassade, Dachdeckung, Fenster, Außen- und Innentüren sowie die Innentreppe vollständig erhalten. Derzeit steht das Gebäude leer.

April 2019 - Elektrizitätswerk mit Verwaltungsgebäude - Ihlenfelder Straße 88

Vor etwas mehr als 110 Jahren wurde am 1. April 1909 in Neubrandenburg die Überlandzentrale zur Versorgung der Stadt mit elektrischem Strom gegründet. Bereits am 28. Juli 1910 war der Bau soweit gediehen, dass der Probebetrieb in der Ihlenfelder Straße aufgenommen werden konnte. Parallel wurde das städtische Leitungsnetz mit Zubehör durch die Siemens-Schuckert-Werke errichtet, welches im August 1910 „unter Strom gesetzt“ wurde. Bis Ende des Jahres 1911 erreichte das Netz eine Gesamtlänge von 13.868 laufenden Metern, die Verteilung erfolgte über acht im Stadtgebiet vorhandene Transformatoren. Neben dem Gaswerk (1867) und der zentralen, öffentlichen Wasserversorgung (1907) stellt die Stromversorgung durch das Elektrizitätswerk, welches keinen eigenen Strom erzeugte, sondern von der Überlandzentrale Stralsund EG mit Strom versorgt wurde, eine wichtige Entwicklung in der modernen Infrastruktur einer Stadt dar.

Stilistisch stellen die Backsteinbauten mit ihren Sattel- und Krüppelwalmdächern und Rundbogenfenstern sowie den charakteristischen hellen Putzblenden in ihrer historisierenden Formensprache typische Industriebauten ihrer Zeit dar. Parallel entwickelte sich jedoch bereits eine völlig neue Formensprache für die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelnde Aufgabe des Industriebaus. Erste und zukunftsweisende Beispiele großflächig verglaster (Vorhang-)Fassaden entstanden zu dieser Zeit bereits parallel: 1909 mit der Turbinenfabrik von Peter Behrens in Berlin und 1911 mit dem Faguswerk von Walter Gropius in Alfeld (Leine).

März 2019 - Typhusfriedhof - Am Gartenbau

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges drohte in Neubrandenburg 1945 der Ausbruch einer Typhusepidemie. Ein Massensterben konnte aber durch strenge Hygiene-Maßnahmen verhindert werden. Neben der Behandlung im Krankenhaus in der Pfaffenstraße und in Seuchenstationen in der Stargarder Straße (Fürstenkeller), im Schauspielhaus sowie in der damaligen Scheunenstraße wurde zusätzlich in der ehemaligen Ausflugsgaststätte „Tannenkrug“ eine Typhus-Station eingerichtet.

1945 starben 170 Personen in Neubrandenburg an Typhus, 32 davon nachweislich in der Station Tannenkrug. Diese wurden südöstlich des Ausflugslokals am Waldrand, heute Straße Am Gartenbau, auf einer etwa 500 Quadratmeter großen Fläche bestattet. 11 Grabstellen sind bis heute zu erkennen, 7 davon mit lesbaren Grabsteinen. Wie viele Personen letztendlich an dieser Stelle bestattet wurden, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, Schätzungen liegen bei rund 200 Personen. Tuberkulose-Kranke wurden im Tannenkrug noch bis in die 1960er-Jahre behandelt.

Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde das Friedhofsareal in den 1990er-Jahren hergerichtet und mit einer Einfriedung versehen. Es wird regelmäßig durch den Eigenbetrieb Immobilienmanagement der Stadt Neubrandenburg gepflegt.

Februar 2019 - Wohnhaus Neustrelitzer Straße 18

Das Gebäude in der Neustrelitzer Straße 18 entstand als Wohnhaus der 1871 gegründeten Gärtnerei von Heinrich Utech. Im Adressbuch von 1893 ist es erstmals unter der Adresse Neustrelitzer Chaussee Nr. 14 aufgelistet.

Im Jahr 1900 erwarb Hermann Meltz die Gärtnerei und das dazugehörige Wohnhaus, in dem Heinrich Utech Wohnrecht behielt. Nachdem die Witwe von Meltz den Betrieb für einige Jahre führte, übernahmen die Kinder, Ida und Werner Meltz, die Gärtnerei im Jahr 1954. Neben der Verbreiterung der Neustrelitzer Straße auf 4 Spuren änderte sich Ende der 1970er Jahre auch die Nummerierung zur heutigen Neustrelitzer Straße 18.

Nachdem der Betrieb Ende der 1970er Jahre durch die Familie Meltz aufgegeben wurde, gründete Horst Blecha nach 1990 den Pflanzenhof neu. Während an dieser Stelle bis heute ein Gärtnereibetrieb fortbesteht, steht das Wohnhaus bereits seit über 10 Jahren leer. Trotz des zunehmenden Verfallszustandes sind immer noch Details wie Haustür, Fensterläden und zum Teil Kastenfenster erhalten.

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein eingeschossiges dreiachsiges traufständiges Fachwerkgebäude mit einem zweigeschossigen und zweiachsigen risalitartig vortretendem Giebelbau. Das Fachwerk ist durch seine horizontalen Riegellagen und die regelmäßige Pfostenabfolge sowie die im nördlichen Bereich auftretenden Andreaskreuze kleinteilig und schmuckvoll gestaltet. Auch die vorkragenden Hölzer im Bereich der Giebel und die Rechteckdeckung aus Schiefer beweisen im Detail gestalterischen Anspruch.

Januar 2019 - Wohn-, und Verwaltungsgebäude, Demminer Str. 43b

Das Wohn- und Verwaltungsgebäude in der Demminer Straße 43 b kam erst im Jahr 1999 auf die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg. Errichtet wurde der mehrgeschossige Backsteinbau um 1935 als Kurt Heber seine Hauptproduktionsstätte für mechanische Rüstung von Berlin nach Neubrandenburg verlegte. Die Kurt-Heber-AG, ab 1937 Mechanische Werkstätten Neubrandenburg (MWN), produzierte u. a. Bombenabwurfgeräte für die Luftwaffe.

In dem Gebäude im typischen Heimatschutzstil der 1930er Jahre befanden sich die Wohnung des Werkleiters und die Werkverwaltung, wobei die Anmutung als Wohnhaus wahrscheinlich dem Luftschutz diente und als ziviles Objekt uninteressant für die Luftaufklärung erscheinen sollte. In diesem Zusammenhang ist der im Keller in dieser Form für Neubrandenburg einmalige Luftschutzraum erwähnenswert.

Archiv - Denkmal des Monats 2018

April - Luhmann-Villa

Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg: Friedrich-Engels-Ring 35, Gebäudehülle und Dachstuhl des Wohnhauses

Zur Geschichte:

Der Friedrich-Engels-Ring 35 ist erstmals im „Adreßbuch der Vorderstadt Neubrandenburg“ aus dem Jahr 1893 zu finden – damals jedoch noch unter der Adresse „An der Linde 2“. Eine Postkarte aus dem Jahr 1902 zeigt bereits das heutige Gebäude. Das genaue Baujahr des Hauses ist bisher jedoch nicht bekannt. Im Adressbuch für Neubrandenburg aus dem Jahr 1913 ist dann erstmals der Kommerzienrat Louis Luhmann als Eigentümer überliefert.

Dieser Familie Luhmann verdankt das Haus seinen bis heutige geläufigen Beinamen „Luhmann-Villa“. Nach seinem Tod blieb das Haus im Familienbesitz. Das Adressbuch von 1927/1928 gibt die Witwe des Kommerzienrats, Johanna Luhmann, selbst zu dem Zeitpunkt wohnhaft in der Morgenlandstraße 7, als Besitzerin an. Bewohnt wurde die Villa zu der Zeit von dem Ministerialrat a. D. Dr. jur. Fritz Luhmann, tätig als Rechtsanwalt und Notar, und dem Angestellten Josef Müller. Nach dem Krieg wurde das Haus enteignet.

Noch bis zum Ende der 1940er Jahre wohnten die Luhmanns im Obergeschoss bis sie dann in den Westen gingen. In den 1960er Jahre musste ein Großteil der historischen Gebäude An der Linde, insbesondere auf der ehemaligen Ostseite der Straße, dem Ausbau des heutigen Friedrich-Engels-Rings weichen. Ebenfalls um diese Zeit zog der „Klub der Intelligenz“ (KDI) in das Gebäude. Nach der Wende befand sich hier eine Zeit lang die Gaststätte „bei Jaqueline“.

Später wurde das Gebäude an den früheren Eigentümer, Fritz Luhmann, rückübertragen. Der Eigentümer hat inzwischen erneut gewechselt, das prominente Haus am Stadteingang steht jedoch inzwischen seit längerer Zeit leer.

Mai - Wandbild "Kinder Träume Zukunft"

 

Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg: Ziolkowskistraße 2, Wandbild „Kinder, Träume, Zukunft“ (an der ehemaligen Schülergaststätte)

Zur Geschichte:

Das 6 mal 15 Meter große Wandbild „Kinder Träume Zukunft“ befindet sich am Nordgiebel des Gebäudes Ziolkowskistraße 2, ehemals Schülergaststätte, in der Neubrandenburger Oststadt und wurde von dem aus Dresden stammenden Maler und Grafiker Erhard Großmann (*1936) geschaffen.

Großmann erhielt den Auftrag für das Werk 1968/69 und arbeitete daran ab 1970 u. a. in der Messehalle am Tollensesee, wo auch ein reger Austausch mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Heinz Hahn, dem VEB Zentrum Bildende Kunst, Vertretern vom Rat der Stadt und den Brigaden stattfand.

Besonders die technische Ausführung des Bildes als Unterglasurmalerei auf industriell vorgefertigten Meißener Kacheln stellte den Künstler vor einige Herausforderungen. So war die Palette der möglichen Farben beschränkt und die Pigmente ließen sich nicht malerisch mit dem Pinsel auftragen. Stattdessen wurde mittels vieler Experimente ein Weg gefunden, die Farbe mit Zerstäuber und Schablonen auf die Kacheln zu bringen. Am 07.10.1973 wurde das Wandbild feierlich eingeweiht.

Zentrum des Bildes ist das „Dreierportrait“ eines Kindes, welches „zugleich nachdenklich, nach Wissen strebend und in kühnem Gedankenflug erscheint […].“ Gleichzeitig vermittelt diese „Dreieinigkeit“ zwischen der rechten und linken Bildhälfte. Das nackte Paar auf der linken Seite symbolisiert das ursprüngliche menschliche Sein ebenso wie das Streben nach Glück und Selbstverwirklichung. In der rechten Bildhälfte stehen Ikarus und Kosmonaut für das ehemals Unerreichbare im Vergleich zu den ungeheuren Möglichkeiten, die sich in der Gegenwart für die Zukunft abzeichnen.

In Neubrandenburg schuf Erhard Großmann zu DDR-Zeiten noch drei weitere Wandbilder („Volksfest“, Speisesaal des Verkehrskombinats; „An einem Tag“, Speiseaal VEB Nahrungsgütermaschinen“; „Sommertag“, Schulgebäude Krämerstraße). Das Wandbild „Kinder Träume Zukunft“ nimmt jedoch, insbesondere aufgrund der Wahl des Materials und die dadurch bedingte Formensprache, eine herausragende Stellung im Werk des Künstlers ein.

Juni - Verwaltungsgebäude Friedrich-Engels-Ring 11


Bei dem denkmalgeschützten Gebäude am Friedrich-Engels-Ring 11 handelt es sich um einen dreigeschossigen Putzbau mit Walmdach mit einem repräsentativen Eingang.

An der Stelle der heutigen Handwerkskammer standen bis 1945 zwei Stadtvillen unter den Adressen Adolf-Friedrich-Straße 1 und 1 a. Etwa parallel mit Entstehung der Produktionsgenossenschaften des Handwerks begann im Jahr 1955 der Bau der Handwerkskammer. Am 10. August 1957 wurde sie feierlich eingeweiht.

Der Bau wurde von Spenden der Handwerker des Bezirkes Neubrandenburg in Höhe von 135.000 DM, einem Investitionskredit des Staates und unentgeltlichen Bauleistungen der Betriebe in Höhe von 28.000 DM finanziert. So stammte die ursprüngliche Eingangstür von einem Tischler aus Altentreptow, Steinmetzmeister Dassow schuf das Portal, Glasermeister Günther Seehrich die Bleiglasfenster und Tischlermeister Hermann Voltz setzte mit seinem Sohn die Innentüren ein. Die für die 50er Jahre typische architektonische
Gestaltung des Baus stammt von einem Architekten und Tiefbauingenieur aus Wittenburg, der Innenausbau wurde von den Architekten Krumnow und Hartung aus Berlin entworfen. Neben Arbeitsräumen für die Organisation sollte ebenfalls Platz für die Durchführung von Meisterprüfungen, Beratungen, eine gastliche Stätte für Besucher, Übernachtungsräume und ein Festraum geschaffen werden.

Nach einer Sanierung in den frühen 1990er Jahren wurde 2016/2017 zuletzt die Fassade erneuert.

Juli - Pestalozzi Schule, Ziegelbergstraße 27

Die heutige Pestalozzi-Schule erhielt ihren Namen nach Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827), dem Schweizer Pädagogen und Sozialreformer, erst im Jahr 1949. Gebaut wurde sie in der Zeit von 1927 bis 1929 als städtische Bürgerschule für Mädchen nach Plänen von Senator L. Giesecke.

Die Schule entstand unter Beachtung moderner pädagogischer, bautechnischer und hygienischer Standards.

Neun der zwölf Klassenzimmer waren bewusst nach Westen orientiert, sodass die Sonne beim morgendlichen Lernen nicht blenden konnte, die Schulräume jedoch am Nachmittag durchsonnen würde. Neben der durchdachten Architektur entsprach auch die Ausstattung der Schule den modernsten Anforderungen – so konnten sich die damaligen Schüler in der ersten Lehrküche Mecklenburgs im Rahmen von Hauswirtschaftsunterricht, Nahrungsmittellehre und praktischer „Kochchemie“ auf das „hausfrauliche“ Leben vorbereiten.
Die Gebäudehülle wird durch die Verwendung dunkler Ziegel besonders geprägt. Sowohl das Material in seiner besonderen Farbigkeit als auch die dem Backsteinexpressionismus entlehnte Formensprache sind typisch für die Zeit der 1920er Jahre. Giesecke stellte durch die Wahl des Materials an dieser Stelle bewusste Bezüge sowohl zu den in der Nähe (Katharinenstraße) bereits vorhandenen Schulbauten als auch zu den Toranlagen der Stadt her.

Nach Gieseckes Plan sollte ursprünglich ein Gebäude mit insgesamt 25 Klassenzimmern entstehen. Aufgrund der „erdrückend schweren Geldknappheit“ konnte bis November 1928 jedoch nur Platz für acht Klassen und bis August 1929 für acht weitere Klassen geschaffen werden.

Derzeit werden in der Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung ca. 146 Schüler in zwölf Klassen unterrichtet.

August - Die alte katholische Kirche


Die kleine ehemalige katholische Kirche in der Großen Krauthöferstraße 16 in Neubrandenburg ist seit 1992 in die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg eingetragen. Sie ist nicht nur Zeugnis der Entwicklung der nachreformatorischen katholischen Gemeinde der Stadt Neubrandenburg, sondern auch das einzige Gebäude der Stadt im Stil der Neoromanik sowie ein erfolgreiches Beispiel der Umnutzung eines Sakralbaus in den 1990er Jahren.

Seit der Reformation ist Mecklenburg stark protestantisch geprägt. Im Jahr 1686 soll es etwa 20 Katholiken in ganz Mecklenburg gegeben haben, um 1900 waren es in Neubrandenburg um die 90 Gläubigen. Ab 1903 war ihnen in Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin offiziell die Glaubensausübung gestattet. Dies beinhaltete auch das Recht, eine Kirche zu bauen. Bis zur Fertigstellung der Kirche im Jahr 1907 nutzten die Gläubigen mit Genehmigung des Magistrats einen Saal der Bürgerschule.

Der Entwurf der Katholischen Kirche stammte von dem Neustrelitzer Bauunternehmer Senge. Auch der Pastor, der von nun an in einem 14-tägigen Rhythmus Gottesdienste abhalten sollte, kam zu diesem Zweck aus Neustrelitz. Die zu Beginn wohl noch recht spärliche Innenausstattung der Kirche wurde zwischen 1939 und 1942 wesentlich durch eine Kanzel und einen neobarocken Nebenaltar ergänzt. Bereits 1952 jedoch wurde das Kirchenschiff mit Gewölbe und Zugankern erneuert und neu gestaltet.

Nachdem in den 1960er Jahren bereits Anbauten erfolgten, gab die Kirchgemeinde das Gebäude 1976 mit dem Neubau der Kirche in der Heidmühlenstraße auf, woraufhin es in den Besitz der Stadt überging. Insbesondere durch den Zuzug von Flüchtlingen in Folge des Zweiten Weltkrieges hatte sich die katholische Gemeinde vergrößert.

Nachdem das Gebäude zwischenzeitlich als Werkstatt und Lager genutzt und sein Abriss zwei Mal im Zusammenhang mit Straßenverbreiterungen verhindert wurde, zog im Jahr 1996 das Kino „Latücht“ in die sanierte ehemalige Kirche ein. Jenes hatte seinerseits mit dem Abbruch des Kosmos‘ seine Bleibe verloren.

Neben der Kachelofenfabrik in Neustrelitz ist das „Latücht“ heute eines der wenigen alternativen Kinos im Nordosten mit einem anspruchsvollen Programm abseits des Mainstream und bietet mit seiner Medienwerkstatt und der Dokument-Art kulturelle Bildung in Neubrandenburg.

September - Fund des Monats: Glockengussgrube

Spannende Einblicke in die Geschichte der Stadt und des Franziskanerklosters bietet aktuell die Sanierung der Stargarder Straße. Neben Bestattungen und Fundamenten wurden auch die Reste einer Glockengussgrube unweit von St. Johannis entdeckt (Abb. 1). Die Sole der Grube lag 1,60 m unter dem Straßenpflaster. Ungewöhnlich ist nun, dass nach dem Bergen der gegossenen Glocke aus der Grube sich Reste des fein bearbeiteten Formlehms mit gotischen Minuskeln und Verzierungen über 600 Jahre bis zum heutigen Tage erhalten haben (Abb. 2).

Die eigentliche Gussform aus Lehm hat ein Innenmaß von 1,20 m. Durch die Hitze des Gusses war der Lehm im Kontaktbereich zur flüssigen Bronze schwarz bis rotbräunlich überfeuert, feinste Bronzeanhaftungen auf der Innenseite geben ihm ein metallisches Aussehen.

Bei einer Leitungssanierung im Kreuzungsbereich von Stargarder- und Poststraße wurde bereits eine andere Glockengussgrube beobachtet. In beiden Gruben wurden sehr wahrscheinlich, in unmittelbarer Nähe des Franziskanerklosters, Glocken für St. Johannis hergestellt. Oder war eine der Gussanlagen Zeugnis eines Fehlgusses? Im Denkmalinventar von Georg Krüger wird auf zwei Glocken im alten Glockentürmchen verwiesen. Allerdings erscheint auch dieses, bei den Umbaumaßnahmen von 1891 bis 1894 unter das Dach geführte zu klein für ein solches Geläut (Abb. 3). Der heutige hölzerne Dachreiter birgt eine Glocke aus dem Jahr 1897. Ihr Vorgängermodell aus dem 15. Jahrhundert war da bereits verschwunden. Teile ihrer Form und Inschrift konnten jetzt aus der Gussgrube geborgen werden.

Oktober - Vier bronzene Konsolfiguren - Helmut-Just-Straße 6

Die vier Figuren über dem Haupteingang des ehemaligen Internatskomplexes des Berufsausbildungszentrums (BAZ) in der Oststadt sind neu auf der Denkmalliste der Stadt. Die lebensgroßen, nackten und nach klassischem Ideal geformten Bronzefiguren befinden sich vor dem Hintergrund einer Betonwand mit gut sichtbaren Schalungsspuren mittig über dem Haupteingang des ehemaligen Internatskomplexes. Zur Erinnerung: Bis 1989 handelte es sich um das Klubhaus des BAZ.

Die Nackten wurden in den Jahren 1975 bis 1980 nach Entwürfen des aus Freiberg stammenden Bildhauers, Medailleurs und Graphikers Bernd Göbel (*1942) geschaffen und stellen ein qualitätsvolles Beispiel der in der DDR vorherrschenden realistischen, figurativen und durch humanistische Ideale geprägten Bildhauerkunst dar. Menschliche Figuren spielen in Göbels plastischem Werk durchgehend eine tragende Rolle und seine Figurengruppen, Denkmäler sowie Brunnen sind bis heute insbesondere in ganz Mitteldeutschland zu finden, so beispielsweise der Marktbrunnen in Halle als wohl prominentestes Beispiel.

Wenn den bronzenden Menschen auch eine besondere Bedeutung durch den Eintrag in die Denkmalliste bescheinigt wird, so sind die von 1970 bis 1973 nach städtebaulicher Einordnung von der damaligen Stadtplanerin und Architektin Iris Grund entstandenen Internatsgebäude ohne Denkmalwert.

November - Der ehemalige Marstall - Behmenstraße 14 & 16

Hinter den Adressen Behmenstraße 14 und 16 verbirgt sich heute eines der wenigen erhaltenen Gebäude der Stadt Neubrandenburg aus der Zeit des 18. Jahrhunderts: der ehemalige Marstall.

Nachdem Herzog Adolf Friedrich IV. Neubrandenburg im Jahr 1775 zur Sommerresidenz erhob, entstanden neben dem Palais (1775) unter anderem im südlichen Bereich der Stadt das Comedienhaus bzw. Schauspielhaus (1787 eingeweiht) und der Marstall (1781/1782).

Ursprünglich handelte es sich dabei um eine dreiflügelige Anlage mit Reithalle. Im Südflügel (Behmenstraße 16) entstanden ab den 1930er Jahren Wohnungen und ein kirchlicher Gemeindesaal. Heute wird dieser inzwischen sanierte Gebäudeteil als Veranstaltungsort genutzt.

Der mittlere Gebäudeteil (Behmenstraße 14) diente unter anderem als Scheune, Wagenremise und Pferdestall und hatte ursprünglich straßenseitig zwei Toreinfahrten. Um 1817 entstanden hier Wohnräume für das damalige
Dienstpersonal (Stallmeister). Mit einer Umnutzung des Gebäudes zu kirchlichen Zwecken im Jahr 1968 kam es zu baulichen Veränderungen.

Das barocke Gebäude in städtebaulich dominanter Lage bezeugt heute noch die Geschichte Neubrandenburgs als ehemalige mecklenburgische Residenzstadt.

Dezember - 9. Dachkonstruktion (Zollingerdach) - Nemerower Straße 7 - 9

Das frühere Wohnhaus in der Nemerower Straße 7 – 9 ist insbesondere durch seine charakteristische Dachform bereits vor einigen Jahren in den Fokus der unteren Denkmalschutzbehörde geraten. Eine Eintragung in die Denkmalliste fand jedoch erst jetzt in Folge einer gemeinsamen Besichtigung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege im Jahr 2017 statt.

Das Gebäude entstand um 1925, und somit noch vor dem Beginn der militärischen Nutzung des Gebietes als Torpedoversuchsanstalt (TVA) und dem späteren Reparaturwerk (RWN), für Herrn Rechnungsrat Klingner.

Die geschwungene Dachform des Hauses lässt sich auf ein sogenanntes Zollingerdach zurückführen – die einzige für Neubrandenburg bekanntermaßen erhaltene Dachkonstruktion dieser Art. Mit der durch Friedrich B. Zollinger zu Beginn der 1920er Jahre in einer Zeit akuter Wohnungsnot entwickelten Bauweise lassen sich im Vergleich zu herkömmlichen Dachkonstruktionen ca. 50% Holz sparen. Durch die Vereinheitlichung der Bauteile ist ebenfalls ein relativ einfacher Zusammenbau möglich, der letztendlich eine typische und gleichfalls sehr dekorative durch Rauten charakterisierte Dachuntersicht ergibt.

Aufgrund von späteren Veränderungen sind inzwischen fast sämtliche Merkmale verloren gegangen, die das Erscheinungsbild des Gebäudes prägten, sodass sich der Denkmalwert auf das Zollingerdach beschränkt. Dieses ist heute ein eindrückliches Beispiel für die Innovationen des privaten Wohnungsbaus in Neubrandenburg im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.