Seiteninhalt

August - Die alte katholische Kirche


Die kleine ehemalige katholische Kirche in der Großen Krauthöferstraße 16 in Neubrandenburg ist seit 1992 in die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg eingetragen. Sie ist nicht nur Zeugnis der Entwicklung der nachreformatorischen katholischen Gemeinde der Stadt Neubrandenburg, sondern auch das einzige Gebäude der Stadt im Stil der Neoromanik sowie ein erfolgreiches Beispiel der Umnutzung eines Sakralbaus in den 1990er Jahren.

Seit der Reformation ist Mecklenburg stark protestantisch geprägt. Im Jahr 1686 soll es etwa 20 Katholiken in ganz Mecklenburg gegeben haben, um 1900 waren es in Neubrandenburg um die 90 Gläubigen. Ab 1903 war ihnen in Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin offiziell die Glaubensausübung gestattet. Dies beinhaltete auch das Recht, eine Kirche zu bauen. Bis zur Fertigstellung der Kirche im Jahr 1907 nutzten die Gläubigen mit Genehmigung des Magistrats einen Saal der Bürgerschule.

Der Entwurf der Katholischen Kirche stammte von dem Neustrelitzer Bauunternehmer Senge. Auch der Pastor, der von nun an in einem 14-tägigen Rhythmus Gottesdienste abhalten sollte, kam zu diesem Zweck aus Neustrelitz. Die zu Beginn wohl noch recht spärliche Innenausstattung der Kirche wurde zwischen 1939 und 1942 wesentlich durch eine Kanzel und einen neobarocken Nebenaltar ergänzt. Bereits 1952 jedoch wurde das Kirchenschiff mit Gewölbe und Zugankern erneuert und neu gestaltet.

Nachdem in den 1960er Jahren bereits Anbauten erfolgten, gab die Kirchgemeinde das Gebäude 1976 mit dem Neubau der Kirche in der Heidmühlenstraße auf, woraufhin es in den Besitz der Stadt überging. Insbesondere durch den Zuzug von Flüchtlingen in Folge des Zweiten Weltkrieges hatte sich die katholische Gemeinde vergrößert.

Nachdem das Gebäude zwischenzeitlich als Werkstatt und Lager genutzt und sein Abriss zwei Mal im Zusammenhang mit Straßenverbreiterungen verhindert wurde, zog im Jahr 1996 das Kino „Latücht“ in die sanierte ehemalige Kirche ein. Jenes hatte seinerseits mit dem Abbruch des Kosmos‘ seine Bleibe verloren.

Neben der Kachelofenfabrik in Neustrelitz ist das „Latücht“ heute eines der wenigen alternativen Kinos im Nordosten mit einem anspruchsvollen Programm abseits des Mainstream und bietet mit seiner Medienwerkstatt und der Dokument-Art kulturelle Bildung in Neubrandenburg.