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Archiv - Denkmal des Monats 2018

April - Luhmann-Villa

Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg: Friedrich-Engels-Ring 35, Gebäudehülle und Dachstuhl des Wohnhauses

Zur Geschichte:

Der Friedrich-Engels-Ring 35 ist erstmals im „Adreßbuch der Vorderstadt Neubrandenburg“ aus dem Jahr 1893 zu finden – damals jedoch noch unter der Adresse „An der Linde 2“. Eine Postkarte aus dem Jahr 1902 zeigt bereits das heutige Gebäude. Das genaue Baujahr des Hauses ist bisher jedoch nicht bekannt. Im Adressbuch für Neubrandenburg aus dem Jahr 1913 ist dann erstmals der Kommerzienrat Louis Luhmann als Eigentümer überliefert.

Dieser Familie Luhmann verdankt das Haus seinen bis heutige geläufigen Beinamen „Luhmann-Villa“. Nach seinem Tod blieb das Haus im Familienbesitz. Das Adressbuch von 1927/1928 gibt die Witwe des Kommerzienrats, Johanna Luhmann, selbst zu dem Zeitpunkt wohnhaft in der Morgenlandstraße 7, als Besitzerin an. Bewohnt wurde die Villa zu der Zeit von dem Ministerialrat a. D. Dr. jur. Fritz Luhmann, tätig als Rechtsanwalt und Notar, und dem Angestellten Josef Müller. Nach dem Krieg wurde das Haus enteignet.

Noch bis zum Ende der 1940er Jahre wohnten die Luhmanns im Obergeschoss bis sie dann in den Westen gingen. In den 1960er Jahre musste ein Großteil der historischen Gebäude An der Linde, insbesondere auf der ehemaligen Ostseite der Straße, dem Ausbau des heutigen Friedrich-Engels-Rings weichen. Ebenfalls um diese Zeit zog der „Klub der Intelligenz“ (KDI) in das Gebäude. Nach der Wende befand sich hier eine Zeit lang die Gaststätte „bei Jaqueline“.

Später wurde das Gebäude an den früheren Eigentümer, Fritz Luhmann, rückübertragen. Der Eigentümer hat inzwischen erneut gewechselt, das prominente Haus am Stadteingang steht jedoch inzwischen seit längerer Zeit leer.

Mai - Wandbild "Kinder Träume Zukunft"

 

Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg: Ziolkowskistraße 2, Wandbild „Kinder, Träume, Zukunft“ (an der ehemaligen Schülergaststätte)

Zur Geschichte:

Das 6 mal 15 Meter große Wandbild „Kinder Träume Zukunft“ befindet sich am Nordgiebel des Gebäudes Ziolkowskistraße 2, ehemals Schülergaststätte, in der Neubrandenburger Oststadt und wurde von dem aus Dresden stammenden Maler und Grafiker Erhard Großmann (*1936) geschaffen.

Großmann erhielt den Auftrag für das Werk 1968/69 und arbeitete daran ab 1970 u. a. in der Messehalle am Tollensesee, wo auch ein reger Austausch mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Heinz Hahn, dem VEB Zentrum Bildende Kunst, Vertretern vom Rat der Stadt und den Brigaden stattfand.

Besonders die technische Ausführung des Bildes als Unterglasurmalerei auf industriell vorgefertigten Meißener Kacheln stellte den Künstler vor einige Herausforderungen. So war die Palette der möglichen Farben beschränkt und die Pigmente ließen sich nicht malerisch mit dem Pinsel auftragen. Stattdessen wurde mittels vieler Experimente ein Weg gefunden, die Farbe mit Zerstäuber und Schablonen auf die Kacheln zu bringen. Am 07.10.1973 wurde das Wandbild feierlich eingeweiht.

Zentrum des Bildes ist das „Dreierportrait“ eines Kindes, welches „zugleich nachdenklich, nach Wissen strebend und in kühnem Gedankenflug erscheint […].“ Gleichzeitig vermittelt diese „Dreieinigkeit“ zwischen der rechten und linken Bildhälfte. Das nackte Paar auf der linken Seite symbolisiert das ursprüngliche menschliche Sein ebenso wie das Streben nach Glück und Selbstverwirklichung. In der rechten Bildhälfte stehen Ikarus und Kosmonaut für das ehemals Unerreichbare im Vergleich zu den ungeheuren Möglichkeiten, die sich in der Gegenwart für die Zukunft abzeichnen.

In Neubrandenburg schuf Erhard Großmann zu DDR-Zeiten noch drei weitere Wandbilder („Volksfest“, Speisesaal des Verkehrskombinats; „An einem Tag“, Speiseaal VEB Nahrungsgütermaschinen“; „Sommertag“, Schulgebäude Krämerstraße). Das Wandbild „Kinder Träume Zukunft“ nimmt jedoch, insbesondere aufgrund der Wahl des Materials und die dadurch bedingte Formensprache, eine herausragende Stellung im Werk des Künstlers ein.

Juni - Verwaltungsgebäude Friedrich-Engels-Ring 11


Bei dem denkmalgeschützten Gebäude am Friedrich-Engels-Ring 11 handelt es sich um einen dreigeschossigen Putzbau mit Walmdach mit einem repräsentativen Eingang.

An der Stelle der heutigen Handwerkskammer standen bis 1945 zwei Stadtvillen unter den Adressen Adolf-Friedrich-Straße 1 und 1 a. Etwa parallel mit Entstehung der Produktionsgenossenschaften des Handwerks begann im Jahr 1955 der Bau der Handwerkskammer. Am 10. August 1957 wurde sie feierlich eingeweiht.

Der Bau wurde von Spenden der Handwerker des Bezirkes Neubrandenburg in Höhe von 135.000 DM, einem Investitionskredit des Staates und unentgeltlichen Bauleistungen der Betriebe in Höhe von 28.000 DM finanziert. So stammte die ursprüngliche Eingangstür von einem Tischler aus Altentreptow, Steinmetzmeister Dassow schuf das Portal, Glasermeister Günther Seehrich die Bleiglasfenster und Tischlermeister Hermann Voltz setzte mit seinem Sohn die Innentüren ein. Die für die 50er Jahre typische architektonische
Gestaltung des Baus stammt von einem Architekten und Tiefbauingenieur aus Wittenburg, der Innenausbau wurde von den Architekten Krumnow und Hartung aus Berlin entworfen. Neben Arbeitsräumen für die Organisation sollte ebenfalls Platz für die Durchführung von Meisterprüfungen, Beratungen, eine gastliche Stätte für Besucher, Übernachtungsräume und ein Festraum geschaffen werden.

Nach einer Sanierung in den frühen 1990er Jahren wurde 2016/2017 zuletzt die Fassade erneuert.

Juli - Pestalozzi Schule, Ziegelbergstraße 27

Die heutige Pestalozzi-Schule erhielt ihren Namen nach Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827), dem Schweizer Pädagogen und Sozialreformer, erst im Jahr 1949. Gebaut wurde sie in der Zeit von 1927 bis 1929 als städtische Bürgerschule für Mädchen nach Plänen von Senator L. Giesecke.

Die Schule entstand unter Beachtung moderner pädagogischer, bautechnischer und hygienischer Standards.

Neun der zwölf Klassenzimmer waren bewusst nach Westen orientiert, sodass die Sonne beim morgendlichen Lernen nicht blenden konnte, die Schulräume jedoch am Nachmittag durchsonnen würde. Neben der durchdachten Architektur entsprach auch die Ausstattung der Schule den modernsten Anforderungen – so konnten sich die damaligen Schüler in der ersten Lehrküche Mecklenburgs im Rahmen von Hauswirtschaftsunterricht, Nahrungsmittellehre und praktischer „Kochchemie“ auf das „hausfrauliche“ Leben vorbereiten.
Die Gebäudehülle wird durch die Verwendung dunkler Ziegel besonders geprägt. Sowohl das Material in seiner besonderen Farbigkeit als auch die dem Backsteinexpressionismus entlehnte Formensprache sind typisch für die Zeit der 1920er Jahre. Giesecke stellte durch die Wahl des Materials an dieser Stelle bewusste Bezüge sowohl zu den in der Nähe (Katharinenstraße) bereits vorhandenen Schulbauten als auch zu den Toranlagen der Stadt her.

Nach Gieseckes Plan sollte ursprünglich ein Gebäude mit insgesamt 25 Klassenzimmern entstehen. Aufgrund der „erdrückend schweren Geldknappheit“ konnte bis November 1928 jedoch nur Platz für acht Klassen und bis August 1929 für acht weitere Klassen geschaffen werden.

Derzeit werden in der Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung ca. 146 Schüler in zwölf Klassen unterrichtet.

August - Die alte katholische Kirche


Die kleine ehemalige katholische Kirche in der Großen Krauthöferstraße 16 in Neubrandenburg ist seit 1992 in die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg eingetragen. Sie ist nicht nur Zeugnis der Entwicklung der nachreformatorischen katholischen Gemeinde der Stadt Neubrandenburg, sondern auch das einzige Gebäude der Stadt im Stil der Neoromanik sowie ein erfolgreiches Beispiel der Umnutzung eines Sakralbaus in den 1990er Jahren.

Seit der Reformation ist Mecklenburg stark protestantisch geprägt. Im Jahr 1686 soll es etwa 20 Katholiken in ganz Mecklenburg gegeben haben, um 1900 waren es in Neubrandenburg um die 90 Gläubigen. Ab 1903 war ihnen in Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin offiziell die Glaubensausübung gestattet. Dies beinhaltete auch das Recht, eine Kirche zu bauen. Bis zur Fertigstellung der Kirche im Jahr 1907 nutzten die Gläubigen mit Genehmigung des Magistrats einen Saal der Bürgerschule.

Der Entwurf der Katholischen Kirche stammte von dem Neustrelitzer Bauunternehmer Senge. Auch der Pastor, der von nun an in einem 14-tägigen Rhythmus Gottesdienste abhalten sollte, kam zu diesem Zweck aus Neustrelitz. Die zu Beginn wohl noch recht spärliche Innenausstattung der Kirche wurde zwischen 1939 und 1942 wesentlich durch eine Kanzel und einen neobarocken Nebenaltar ergänzt. Bereits 1952 jedoch wurde das Kirchenschiff mit Gewölbe und Zugankern erneuert und neu gestaltet.

Nachdem in den 1960er Jahren bereits Anbauten erfolgten, gab die Kirchgemeinde das Gebäude 1976 mit dem Neubau der Kirche in der Heidmühlenstraße auf, woraufhin es in den Besitz der Stadt überging. Insbesondere durch den Zuzug von Flüchtlingen in Folge des Zweiten Weltkrieges hatte sich die katholische Gemeinde vergrößert.

Nachdem das Gebäude zwischenzeitlich als Werkstatt und Lager genutzt und sein Abriss zwei Mal im Zusammenhang mit Straßenverbreiterungen verhindert wurde, zog im Jahr 1996 das Kino „Latücht“ in die sanierte ehemalige Kirche ein. Jenes hatte seinerseits mit dem Abbruch des Kosmos‘ seine Bleibe verloren.

Neben der Kachelofenfabrik in Neustrelitz ist das „Latücht“ heute eines der wenigen alternativen Kinos im Nordosten mit einem anspruchsvollen Programm abseits des Mainstream und bietet mit seiner Medienwerkstatt und der Dokument-Art kulturelle Bildung in Neubrandenburg.

September - Fund des Monats: Glockengussgrube

Spannende Einblicke in die Geschichte der Stadt und des Franziskanerklosters bietet aktuell die Sanierung der Stargarder Straße. Neben Bestattungen und Fundamenten wurden auch die Reste einer Glockengussgrube unweit von St. Johannis entdeckt (Abb. 1). Die Sole der Grube lag 1,60 m unter dem Straßenpflaster. Ungewöhnlich ist nun, dass nach dem Bergen der gegossenen Glocke aus der Grube sich Reste des fein bearbeiteten Formlehms mit gotischen Minuskeln und Verzierungen über 600 Jahre bis zum heutigen Tage erhalten haben (Abb. 2).

Die eigentliche Gussform aus Lehm hat ein Innenmaß von 1,20 m. Durch die Hitze des Gusses war der Lehm im Kontaktbereich zur flüssigen Bronze schwarz bis rotbräunlich überfeuert, feinste Bronzeanhaftungen auf der Innenseite geben ihm ein metallisches Aussehen.

Bei einer Leitungssanierung im Kreuzungsbereich von Stargarder- und Poststraße wurde bereits eine andere Glockengussgrube beobachtet. In beiden Gruben wurden sehr wahrscheinlich, in unmittelbarer Nähe des Franziskanerklosters, Glocken für St. Johannis hergestellt. Oder war eine der Gussanlagen Zeugnis eines Fehlgusses? Im Denkmalinventar von Georg Krüger wird auf zwei Glocken im alten Glockentürmchen verwiesen. Allerdings erscheint auch dieses, bei den Umbaumaßnahmen von 1891 bis 1894 unter das Dach geführte zu klein für ein solches Geläut (Abb. 3). Der heutige hölzerne Dachreiter birgt eine Glocke aus dem Jahr 1897. Ihr Vorgängermodell aus dem 15. Jahrhundert war da bereits verschwunden. Teile ihrer Form und Inschrift konnten jetzt aus der Gussgrube geborgen werden.

Oktober - Vier bronzene Konsolfiguren - Helmut-Just-Straße 6

Die vier Figuren über dem Haupteingang des ehemaligen Internatskomplexes des Berufsausbildungszentrums (BAZ) in der Oststadt sind neu auf der Denkmalliste der Stadt. Die lebensgroßen, nackten und nach klassischem Ideal geformten Bronzefiguren befinden sich vor dem Hintergrund einer Betonwand mit gut sichtbaren Schalungsspuren mittig über dem Haupteingang des ehemaligen Internatskomplexes. Zur Erinnerung: Bis 1989 handelte es sich um das Klubhaus des BAZ.

Die Nackten wurden in den Jahren 1975 bis 1980 nach Entwürfen des aus Freiberg stammenden Bildhauers, Medailleurs und Graphikers Bernd Göbel (*1942) geschaffen und stellen ein qualitätsvolles Beispiel der in der DDR vorherrschenden realistischen, figurativen und durch humanistische Ideale geprägten Bildhauerkunst dar. Menschliche Figuren spielen in Göbels plastischem Werk durchgehend eine tragende Rolle und seine Figurengruppen, Denkmäler sowie Brunnen sind bis heute insbesondere in ganz Mitteldeutschland zu finden, so beispielsweise der Marktbrunnen in Halle als wohl prominentestes Beispiel.

Wenn den bronzenden Menschen auch eine besondere Bedeutung durch den Eintrag in die Denkmalliste bescheinigt wird, so sind die von 1970 bis 1973 nach städtebaulicher Einordnung von der damaligen Stadtplanerin und Architektin Iris Grund entstandenen Internatsgebäude ohne Denkmalwert.

November - Der ehemalige Marstall - Behmenstraße 14 & 16

Hinter den Adressen Behmenstraße 14 und 16 verbirgt sich heute eines der wenigen erhaltenen Gebäude der Stadt Neubrandenburg aus der Zeit des 18. Jahrhunderts: der ehemalige Marstall.

Nachdem Herzog Adolf Friedrich IV. Neubrandenburg im Jahr 1775 zur Sommerresidenz erhob, entstanden neben dem Palais (1775) unter anderem im südlichen Bereich der Stadt das Comedienhaus bzw. Schauspielhaus (1787 eingeweiht) und der Marstall (1781/1782).

Ursprünglich handelte es sich dabei um eine dreiflügelige Anlage mit Reithalle. Im Südflügel (Behmenstraße 16) entstanden ab den 1930er Jahren Wohnungen und ein kirchlicher Gemeindesaal. Heute wird dieser inzwischen sanierte Gebäudeteil als Veranstaltungsort genutzt.

Der mittlere Gebäudeteil (Behmenstraße 14) diente unter anderem als Scheune, Wagenremise und Pferdestall und hatte ursprünglich straßenseitig zwei Toreinfahrten. Um 1817 entstanden hier Wohnräume für das damalige
Dienstpersonal (Stallmeister). Mit einer Umnutzung des Gebäudes zu kirchlichen Zwecken im Jahr 1968 kam es zu baulichen Veränderungen.

Das barocke Gebäude in städtebaulich dominanter Lage bezeugt heute noch die Geschichte Neubrandenburgs als ehemalige mecklenburgische Residenzstadt.

Dezember - 9. Dachkonstruktion (Zollingerdach) - Nemerower Straße 7 - 9

Das frühere Wohnhaus in der Nemerower Straße 7 – 9 ist insbesondere durch seine charakteristische Dachform bereits vor einigen Jahren in den Fokus der unteren Denkmalschutzbehörde geraten. Eine Eintragung in die Denkmalliste fand jedoch erst jetzt in Folge einer gemeinsamen Besichtigung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege im Jahr 2017 statt.

Das Gebäude entstand um 1925, und somit noch vor dem Beginn der militärischen Nutzung des Gebietes als Torpedoversuchsanstalt (TVA) und dem späteren Reparaturwerk (RWN), für Herrn Rechnungsrat Klingner.

Die geschwungene Dachform des Hauses lässt sich auf ein sogenanntes Zollingerdach zurückführen – die einzige für Neubrandenburg bekanntermaßen erhaltene Dachkonstruktion dieser Art. Mit der durch Friedrich B. Zollinger zu Beginn der 1920er Jahre in einer Zeit akuter Wohnungsnot entwickelten Bauweise lassen sich im Vergleich zu herkömmlichen Dachkonstruktionen ca. 50% Holz sparen. Durch die Vereinheitlichung der Bauteile ist ebenfalls ein relativ einfacher Zusammenbau möglich, der letztendlich eine typische und gleichfalls sehr dekorative durch Rauten charakterisierte Dachuntersicht ergibt.

Aufgrund von späteren Veränderungen sind inzwischen fast sämtliche Merkmale verloren gegangen, die das Erscheinungsbild des Gebäudes prägten, sodass sich der Denkmalwert auf das Zollingerdach beschränkt. Dieses ist heute ein eindrückliches Beispiel für die Innovationen des privaten Wohnungsbaus in Neubrandenburg im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.