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Archiv - Denkmal des Monats 2019

Januar 2019 - Wohn-, und Verwaltungsgebäude, Demminer Str. 43b

Das Wohn- und Verwaltungsgebäude in der Demminer Straße 43 b kam erst im Jahr 1999 auf die Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg. Errichtet wurde der mehrgeschossige Backsteinbau um 1935 als Kurt Heber seine Hauptproduktionsstätte für mechanische Rüstung von Berlin nach Neubrandenburg verlegte. Die Kurt-Heber-AG, ab 1937 Mechanische Werkstätten Neubrandenburg (MWN), produzierte u. a. Bombenabwurfgeräte für die Luftwaffe.

In dem Gebäude im typischen Heimatschutzstil der 1930er Jahre befanden sich die Wohnung des Werkleiters und die Werkverwaltung, wobei die Anmutung als Wohnhaus wahrscheinlich dem Luftschutz diente und als ziviles Objekt uninteressant für die Luftaufklärung erscheinen sollte. In diesem Zusammenhang ist der im Keller in dieser Form für Neubrandenburg einmalige Luftschutzraum erwähnenswert.

Februar 2019 - Wohnhaus Neustrelitzer Straße 18

Das Gebäude in der Neustrelitzer Straße 18 entstand als Wohnhaus der 1871 gegründeten Gärtnerei von Heinrich Utech. Im Adressbuch von 1893 ist es erstmals unter der Adresse Neustrelitzer Chaussee Nr. 14 aufgelistet.

Im Jahr 1900 erwarb Hermann Meltz die Gärtnerei und das dazugehörige Wohnhaus, in dem Heinrich Utech Wohnrecht behielt. Nachdem die Witwe von Meltz den Betrieb für einige Jahre führte, übernahmen die Kinder, Ida und Werner Meltz, die Gärtnerei im Jahr 1954. Neben der Verbreiterung der Neustrelitzer Straße auf 4 Spuren änderte sich Ende der 1970er Jahre auch die Nummerierung zur heutigen Neustrelitzer Straße 18.

Nachdem der Betrieb Ende der 1970er Jahre durch die Familie Meltz aufgegeben wurde, gründete Horst Blecha nach 1990 den Pflanzenhof neu. Während an dieser Stelle bis heute ein Gärtnereibetrieb fortbesteht, steht das Wohnhaus bereits seit über 10 Jahren leer. Trotz des zunehmenden Verfallszustandes sind immer noch Details wie Haustür, Fensterläden und zum Teil Kastenfenster erhalten.

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein eingeschossiges dreiachsiges traufständiges Fachwerkgebäude mit einem zweigeschossigen und zweiachsigen risalitartig vortretendem Giebelbau. Das Fachwerk ist durch seine horizontalen Riegellagen und die regelmäßige Pfostenabfolge sowie die im nördlichen Bereich auftretenden Andreaskreuze kleinteilig und schmuckvoll gestaltet. Auch die vorkragenden Hölzer im Bereich der Giebel und die Rechteckdeckung aus Schiefer beweisen im Detail gestalterischen Anspruch.

März 2019 - Typhusfriedhof - Am Gartenbau

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges drohte in Neubrandenburg 1945 der Ausbruch einer Typhusepidemie. Ein Massensterben konnte aber durch strenge Hygiene-Maßnahmen verhindert werden. Neben der Behandlung im Krankenhaus in der Pfaffenstraße und in Seuchenstationen in der Stargarder Straße (Fürstenkeller), im Schauspielhaus sowie in der damaligen Scheunenstraße wurde zusätzlich in der ehemaligen Ausflugsgaststätte „Tannenkrug“ eine Typhus-Station eingerichtet.

1945 starben 170 Personen in Neubrandenburg an Typhus, 32 davon nachweislich in der Station Tannenkrug. Diese wurden südöstlich des Ausflugslokals am Waldrand, heute Straße Am Gartenbau, auf einer etwa 500 Quadratmeter großen Fläche bestattet. 11 Grabstellen sind bis heute zu erkennen, 7 davon mit lesbaren Grabsteinen. Wie viele Personen letztendlich an dieser Stelle bestattet wurden, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, Schätzungen liegen bei rund 200 Personen. Tuberkulose-Kranke wurden im Tannenkrug noch bis in die 1960er-Jahre behandelt.

Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde das Friedhofsareal in den 1990er-Jahren hergerichtet und mit einer Einfriedung versehen. Es wird regelmäßig durch den Eigenbetrieb Immobilienmanagement der Stadt Neubrandenburg gepflegt.

April 2019 - Elektrizitätswerk mit Verwaltungsgebäude - Ihlenfelder Straße 88

Vor etwas mehr als 110 Jahren wurde am 1. April 1909 in Neubrandenburg die Überlandzentrale zur Versorgung der Stadt mit elektrischem Strom gegründet. Bereits am 28. Juli 1910 war der Bau soweit gediehen, dass der Probebetrieb in der Ihlenfelder Straße aufgenommen werden konnte. Parallel wurde das städtische Leitungsnetz mit Zubehör durch die Siemens-Schuckert-Werke errichtet, welches im August 1910 „unter Strom gesetzt“ wurde. Bis Ende des Jahres 1911 erreichte das Netz eine Gesamtlänge von 13.868 laufenden Metern, die Verteilung erfolgte über acht im Stadtgebiet vorhandene Transformatoren. Neben dem Gaswerk (1867) und der zentralen, öffentlichen Wasserversorgung (1907) stellt die Stromversorgung durch das Elektrizitätswerk, welches keinen eigenen Strom erzeugte, sondern von der Überlandzentrale Stralsund EG mit Strom versorgt wurde, eine wichtige Entwicklung in der modernen Infrastruktur einer Stadt dar.

Stilistisch stellen die Backsteinbauten mit ihren Sattel- und Krüppelwalmdächern und Rundbogenfenstern sowie den charakteristischen hellen Putzblenden in ihrer historisierenden Formensprache typische Industriebauten ihrer Zeit dar. Parallel entwickelte sich jedoch bereits eine völlig neue Formensprache für die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelnde Aufgabe des Industriebaus. Erste und zukunftsweisende Beispiele großflächig verglaster (Vorhang-)Fassaden entstanden zu dieser Zeit bereits parallel: 1909 mit der Turbinenfabrik von Peter Behrens in Berlin und 1911 mit dem Faguswerk von Walter Gropius in Alfeld (Leine).

Mai 2019 - Wohnhaus Malzstraße 100

Infolge des Machtantrittes der Nationalsozialisten im Jahr 1933 siedelten sich in Neubrandenburg insbesondere Rüstungsbetriebe, wie die Curt-Heber-Werke/Mechanische Werkstätten (MWN), und militärische Nutzer, wie die Kaserne am Hang und der Flugplatz Trollenhagen sowie die Torpedoversuchsanstalt (TVA), an. Aufgrund dieser Entwicklung stieg die Einwohnerzahl von 15.723 im Jahr 1933 auf 24.000 im Jahr 1941. Als neue Wohngebiete entstanden die Ihlenfelder Vorstadt, das Vogelviertel, Am Blumenborn sowie das Brauereiviertel im nördlichen Stadtgebiet unterhalb des Datzebergs.

Zur Erbauungszeit wurde die Siedlung als SA-Siedlung bezeichnet, die Straßen waren nach Anhängern der NS-Bewegung benannt. Die gleichförmig wirkenden Ziegelbauten mit einheitlich roten Satteldächern und
großzügigen rückwärtigen Gärten zur Selbstversorgung sind innerhalb eines rechtwinkligen Straßenrasters angeordnet, lediglich der Wechsel zwischen Einzel- und Doppelhäusern verschafft Abwechslung.

Das 1937 errichtete Einfamilienhaus (ca. 65 m² Wohnfläche) in der Malzstraße 100, früher Claus-von-Pape-Straße, spiegelt bis heute den bauzeitlichen Zustand der Siedlungshäuser authentisch wider und hat daher einen besonderen Zeugniswert für die gesamte Siedlung. Viele der anderen Häuser sind inzwischen stark durch An- und Umbauten überformt. Neben Grundriss und Stallanbau sind auch die Fassade, Dachdeckung, Fenster, Außen- und Innentüren sowie die Innentreppe vollständig erhalten. Derzeit steht das Gebäude leer.

Juni 2019 - Sankt Georg - Kapelle

Die Kapelle, benannt nach dem Heiligen Georg, stammt aus dem Jahr 1308. Seit dem 11. Jahrhundert wird der Heilige Georg als Reiter im Kampf mit dem Drachen verehrt. Er ist Schutzpatron von Kaufleuten und Reisenden, aber auch von Spitälern und Beschützer der Kranken und Elenden. Die Kapelle mit Friedhof wurde ursprünglich zur Unterbringung an Lepra erkrankter Pilgerer und später von Pestkranken außerhalb der Stadt errichtet. Die geistliche Betreuung der Kranken erfolgte durch das benachbarte Kloster Broda. 1868 wurde dann der Bürgerhospitalverein gegründet, in dessen Eigentum Kapelle und umliegende Häuser übergingen. Bestattungen fanden im Umkreis von Sankt Georg noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts statt, bis dann 1896 der Friedhof Broda angelegt und geweiht wurde.

Umbauten an dem frühgotischen ungewölbten Backsteinbau auf Feldsteinsockel fanden insbesondere im 18. Jahrhundert statt. Ursprünglich hatte die Kirche vermutlich ein Satteldach, auch der Dachreiter ist in seiner heutigen Form eine Zutat des Rokokos.

Die mittelalterlichen Ausstattungsstücke aus dem Gebäudeinneren befinden sich heute in der Kirche Sankt Johannis und im Regionalmuseum.

Nachdem die Kapelle zuletzt im Jahr 1994 grundlegend saniert wurde, finden seit dem April dieses Jahres erneut Arbeiten insbesondere am Dach des Gebäudes statt. Probleme bereitete zuletzt die undichte Dachdeckung, aber auch Dachtragwerk und Traufgesims haben sich während der Arbeiten als marode erwiesen.

Juli 2019 - Wohnblock - Prenzlauer Straße 2/4/6

Das Gebäude Prenzlauer Straße Nr. 2, 4, 6 liegt gegenüber einem langgestreckten Reihenhaus an einer rechteckigen platzartigen Freifläche mit weiteren Einzelgebäuden. Das ist, in Anlehnung an die Gedanken der Gartenstadt Mitte der 1930er Jahre angelegten Ihlenfelder Vorstadt, durchaus typisch.

Der viergeschossige und zehnachsige ziegelsichtige Wohnblock mit Walmdach wurde im Jahr 1936 errichtet. Der Gebäudeteil unter der Nr. 6 setzt sich jedoch durch eine Baufuge vom restlichen Gebäude ab. Auch der Eingang ist mit seiner nach innen verlegten Eingangstür anders gestaltet, sodass angenommen werden kann, dass dieser Gebäudeteil entweder zeitgleich oder kurz nach Fertigstellung der Nr. 2 und 4 ergänzt wurde.

Durch die insgesamt schlichte Gestaltung des Wohnblockes gewinnen die ebenfalls in Ziegel ausgeführten Gliederungselemente, wie Sockel, Gurtgesims, Traufe, Hauseingänge, im Bereich der Fenster sowie rückseitigen Treppenhäuser, umso mehr an gestalterischem Wert.

Bis dato zum Teil noch vorhandene historische Fenster und Außentüren sind bereits bei einer Sanierung in den 1990er Jahren verloren gegangen. Im Gebäudeinneren haben sich bis heute jedoch insbesondere die Holztreppen und die Fußbodenbeläge (Terrazzo und Fliesenbelag) der Eingangsbereiche sowie vereinzelte Innentüren erhalten.

Nach Abschluss der derzeit laufenden Sanierung wird die Fassade wieder um ein historisches Detail reicher, welches über die Jahre fast verschwunden war und erst von einem Restaurator wiederentdeckt wurde. Während der Fugenmörtel in der Fläche sandfarben ist, haben die hervortretenden Gliederungselemente fast schwarze Fugen.

August 2019 - Kaserne Haus Nr. 8, Wandrelief - Weg am Hang 35

Südöstlich der Neubrandenburger Innenstadt liegt auf einer Anhöhe die ab 1938 errichtete heutige Tollensekaserne.

Wesentliche Teile der Kaserne sind seit 2010 als Denkmalbereich geschützt. Zusätzlich gehören zum Komplex zwei als Einzeldenkmale geschützte DDR-zeitliche Kunstwerke: das Soldatendenkmal in der Nähe der Nordwache und das Relief über dem Eingang des Anfang der 1970er Jahre als Stabsgebäude im südlichen Bereich der Kaserne errichteten Hauses Nummer 8. Die Entstehungsgeschichte des Reliefs wurde dabei erst kürzlich durch das Stadtarchiv näher beleuchtet. So wurde im Jahr 1971 im Zusammenhang mit der Errichtung des Hauses 8 ein Vertrag zwischen der Nationalen Volksarmee (NVA) und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee für die Gestaltung des 5 x 8 Meter großen Kunstwerkes am Gebäudeeingang über eine Vertragssumme von 70.000 Mark abgeschlossen.

Als richtungsgebendes Thema wurde bereits mit Vertragsabschluss die Darstellung des „Humanistischen Charakters der Nationalen Volksarmee“ vorgegeben. Gefertigt wurden die Platten zunächst als Gipsnegative, die dann durch die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Betonkunst aus Petersdorf/Bad Saarow in Beton gefertigt und geliefert wurden. Nachdem der Termin mehrfach und zwischenzeitlich auf den Tag der Republik am 7. Oktober 1973 verschoben wurde, gibt es einen Hinweis von März 1974, dass die Abnahme und somit die Fertigstellung der Arbeit erfolgt war.

Weitere Hinweise zur Geschichte und Entstehung der Kunstwerke in der Kaserne nimmt die untere Denkmalschutzbehörde dankend entgegen.

September 2019 - Amtsgericht mit ehemaligem Gefängnis Gerichtsstraße 10 (früher Friedrich-Engels-Ring 19)

Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz im Jahr 1877 wurde eine erste einheitliche Gerichtsverfassung im Deutschen Reich begründet, die unter anderem eine Neuordnung der Gerichtsbarkeiten zur Folge hatte. Nachdem Verhandlungen in Neubrandenburg zuvor im Stadtgericht stattgefunden hatten, entstand mit dem zweigeschossigen Backsteinbau mit Mittelrisalit und Satteldach außerhalb der Stadtmauer zwischen August 1878 und September 1879 der repräsentative Neubau eines Amtsgerichtes als eines von insgesamt zehn im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz.

Geplant wurde das Gebäude von einem Herrn Daniel, die Ausführung übernahm ein Maurermeister Schmutzler aus Stargard. In dem ursprünglich an der II. Wallstraße (heute Friedrich-Engels-Ring) gelegenen Hauptgebäude befanden sich unter anderem Registraturen, Schreibstuben sowie ein Schöffensaal. Im rückwärtigen Anbau lag das Gefängnis mit insgesamt 15 Zellen, deren Größe und Ausstattung nach damaligen Verhältnissen als durchaus „human“ beschrieben wurde.

13 der historischen Gefängnistüren sind bis heute erhalten geblieben und sowohl im Gebäude selbst als auch im Friedrich-Engels-Ring 17 ausgestellt. Mit dem Ausbau des Justizzentrums in den Jahren 1998 bis 2004 war auch die Sanierung des historischen Amtsgerichtes verbunden. Das bis dato auf dem Hof stehende Wirtschaftsgebäude, in dem sich Toiletten, eine Pfandkammer und eine Auktionsstube befanden, wurde in diesem Zuge abgerissen.

Die anderen Gebäude einschließlich der historischen Mauer an der Gerichtsstraße blieben jedoch erhalten und wurden instandgesetzt. Heute befindet sich in dem 140 Jahre alten Gebäude das Sozialgericht Neubrandenburg.

Oktober 2019 - Gartendenkmal - Neuer Friedhof


Nachdem 1805 auf herzogliche Anordnung keine Bestattungen mehr innerhalb der Stadtmauer vorgenommen werden durften, wurde zunächst der Marien- und Johannisfriedhof zwischen Scheunen- und Katharinenstraße errichtet. Da diese bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach mehreren Erweiterungen keinen Platz für weitere Bestattungen boten, erwarb die Stadt im Jahr 1913 östlich der Bahn nach Neustrelitz Flächen im Bereich des früheren Galgenbergs. Die letzte Hinrichtung hatte dort im Jahr 1770 stattgefunden.

Den Auftrag für die Planung der Friedhofsanlage erhielt der Gartenbaumeister Georg Hannig, der seinerzeit Friedhofsdirektor auf dem Stettiner Hauptfriedhof war. Die Einweihung des Friedhofes fand im Jahr 1922 statt. 1924 kamen eine kleine Baumschule und eine Gärtnerei dazu, 1926 wurde die Friedhofsverwaltung (heute Am Neuen Friedhof 1) am Nordwestrand des Friedhofes errichtet. Auswirkungen auf die Gestaltung des Friedhofes hatte neben den planerischen Ansätzen von Hannig insbesondere die Friedhofsreform. So wurden keine eigenen Prachtwege mit Mausoleen der Oberschicht angelegt, die Verwendung von Glas, Porzellan und Gips als Schmuck auf den Gräbern wurde verboten, ebenso wie die Verwendung von eisernen Einfriedungen. Die Grabsteine der 1920er und 30er Jahre sind separat in der Denkmalliste erfasst.

Nach der Eröffnung des Waldfriedhofes Carlshöhe folgte 1974 der Beschluss zur Schließung des Neuen Friedhofes, der in Folge zur Parkanlage umgestaltet werden sollte. Nach der Wiedervereinigung wurde dann die Weiternutzung des inzwischen durch mangelnde Pflege stark vernachlässigten Friedhofes beschlossen. Erst im Jahr 2000 erhielt der Friedhof die heutige Feierhalle.

November 2019 - Ehrenmale - Neuer Friedhof

Neben der Entstehungsgeschichte des Neuen Friedhofes in den 1920er Jahren bilden auch die nach 1945 entstandenen baulichen Anlagen eine prägende Zeitschicht. Dabei handelt es sich insbesondere um Gedenkarchitekturen und Ehrenmale.

Im südlichen Bereich der Mittelachse des Friedhofes liegt der Sowjetische Ehrenfriedhof, auf dem 361 Rotarmisten begraben wurden, von denen die Mehrzahl bis heute namentlich nicht bekannt ist. Hier befindet sich ebenfalls die Bronzeskulptur „Trauernde Mutter“ von René Graetz aus dem Jahr 1958. Entlang des Weges in Richtung erinnern Betonsockel mit Jahreszahlen an die Kriegsteilnahme der Sowjetunion von 1941 bis 1945. Auf einer inzwischen veränderten aber bis heute platzartig erscheinenden Freifläche im südlichen Bereich des Friedhofes befindet sich eine am 9. Mai 1975 eingeweihte aufragende Betonplastik, die unter maßgeblicher Beteiligung des Künstlers Arnd Wittig entstand: das Sowjetische Ehrenmal.

Außerhalb der historischen Friedhofsgrenzen liegt auf einem Plateau mit Ausblick in das Lindetal das ebenfalls von Wittig gestaltete und 1972 der Öffentlichkeit übergebene, jedoch unvollständig gebliebene, Antifaschisten-Denkmal (auch Ehrenmal für die Kämpfer gegen Reaktion und Faschismus oder „Die Unbeugsamen“). Südwestlich der Friedhofsgrenzen wurden weibliche KZ-Häftlinge begraben, die während der Evakuierung aus dem KZ Ravensbrück im April 1945 bei Neubrandenburg umgekommen sind. An sie erinnern eine Betonskulptur und ein Ehrenmal in Form einer Frauenplastik mit Kind.

Dezember 2019 - Wandbild »Volksfest« - Warliner Straße 6

Das aktuelle Denkmal des Monats ist noch ein Neuling auf der Denkmalliste der Stadt Neubrandenburg. Im Zusammenhang mit dem Projekt und der derzeitigen Ausstellung „Nur Beton“ im Regionalmuseum der Stadt hat unter anderem eine Auseinandersetzung mit dem Künstler Erhard Großmann (geboren 1936, z. B. Wandbild „Kinder Träume Zukunft, Ziolkowskistraße 2) stattgefunden.

Von den drei ursprünglich für Neubrandenburg bekannten Wandbildern Großmanns innerhalb von öffentlichen Gebäuden konnte in diesem Jahr nur noch dieses eine aufgefunden werden. Die Wandbilder in der früheren Oberschule V in der Krämerstraße und im damaligen Speisesaal des VEB Nahrungsgütermaschinenbau (Nagema) sind heute nicht mehr erhalten.

Das Wandbild in der Warliner Straße entstand im Jahr 1978 unter dem Titel „Volksfest“ für den damaligen Speisesaal des Verkehrskombinates. Wo früher das Geschirr klapperte, kann heute beim Tanzclub Tollensetal 2012 e. V. das Tanzbein geschwungen werden. Das Bild nimmt in Breite und Höhe beinahe die gesamte Nordwand des Saales ein und zeigt eine Vielzahl von Menschen bei einem Volksfest in unterschiedlichen Stimmungslagen und bei verschiedenen Aktivitäten. Fast wirkt die friesartig angelegte Seccomalerei auf Putz (im Gegensatz zum Fresko wird beim Secco auf den trockenen Putz gemalt) wie ein Wimmelbild, auf dem neben tanzenden und spielenden Männern, Frauen und Kindern auch eine Katze zu finden ist.