Bau und Entstehung
Das Gebäude
Neubrandenburg wurde mit dem von der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 23. Juli 1952 erlassenen „Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der Staatlichen Organe in den Ländern der DDR“ als eine der 14 Bezirksstädte der DDR zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum ausgebaut. Sichtbares Zeichen für diesen Funktionswandel war die Errichtung des Gebäudes des Rates des Bezirkes und der Bezirksleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Nach Entwürfen der Architekten Manfred Lüdke und Waldemar Abraham (Architektenkollektiv des VEB Industriebau Neubrandenburg) ist das Bauwerk an prominenter Stelle östlich der im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Altstadt als symbolische Machtdemonstration errichtet worden. Die Turmstraße als neue Magistrale der Innenstadt führt direkt auf das Gebäude zu.
Um Baufreiheit zu schaffen, sind von Februar bis April 1967 zahlreiche Fachwerkhäuser und Stadtvillen in der Kleinen Krauthöferstraße (nicht mehr existent) und Großen Krauthöferstraße abgerissen worden.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 10. Juni 1967. Ausführender Betrieb war das Wohnungsbaukombinat Neubrandenburg. Am 1. Mai 1969, im Jahr des 20. Jubiläums der Staatsgründung der DDR (7.10.1949), fand die feierliche Eröffnung statt.
Im Vorfeld der Fertigstellung des Gebäudes erhielten Mitglieder des Verbandes Bildender Künstler (VBK) Neubrandenburg Aufträge für die künstlerische Ausgestaltung des Gebäudes:
- Vordach: Sieghard Dittner (1924‒2002), o. T., 1969, Fries, Kupfer, Emaille, o. A., Ausführung: Walther Preik (1932‒2018); in den 1990er Jahren überstrichen
- Foyer: Wolfram Schubert (*1926), Kampf und Sieg der Arbeiterklasse, 1969, Fresko, 2-teilig, je 1,70 x 6,50 m
- Sitzungssaal des Rates des Bezirkes: Werner Schinko (1929‒2016), Städte des Bezirks (auch: Motive aus den Kreisen), 1969, Metall, je 50 x 60 cm, Verbleib unbekannt seit 1996
- Gaststätte: Sieghard Dittner, 20 Jahre DDR, 1969, 2 Keramikfriese, je 1 x 4 m; jetziger Standort: Regionalmuseum Neubrandenburg, Lapidarium
- Innenhof: Walther Preik, Kiebitze, 1969, Bronze, 4 x 1 m; 2011 umgesetzt in die Parkstraße