„Allerlei Magisches“: Neue Sonderausstellung im Regionalmuseum Neubrandenburg
Sagen und Volksglaube in Mecklenburg-Vorpommern vom 30. Oktober 2026 bis 16. Mai 2027 – umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Führungen und Zauberkunst
Welche Vorstellungen hatten die Menschen früher von übernatürlichen Kräften? Mit welchen Ritualen versuchten sie, Krankheiten zu heilen, Unheil abzuwehren oder sich vor unbekannten Gefahren zu schützen? Diesen Fragen widmet sich die neue Sonderausstellung „Allerlei Magisches. Sagen und Volksglaube in Mecklenburg-Vorpommern“ im Regionalmuseum Neubrandenburg. Sie wird am Freitag, 30. Oktober 2026, um 16:30 Uhr eröffnet und ist bis zum 16. Mai 2027 zu sehen.
Anhand von acht Sagen aus Mecklenburg und Vorpommern vermittelt die Ausstellung Einblicke in die magischen Vorstellungen und Bräuche früherer Generationen. Besonders seit dem Spätmittelalter waren Magie und Volksglaube eng mit dem Alltag verbunden. Zauberformeln, Rituale und bestimmte Gegenstände sollten Schutz bieten, Krankheiten heilen oder Unglück verhindern.
Die ausgewählten Sagen werden auf acht Themenbannern vorgestellt und durch historische Objekte aus verschiedenen Museumssammlungen ergänzt. Illustrationen und Texte aus Sagenbüchern für Kinder machen die Geschichten auch für Familien und Kindergruppen zugänglich. Drei der acht Sagen werden erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Von Riesen, Zauberbüchern und geheimnisvollen Gegenständen
Die Ausstellung führt durch unterschiedliche Bereiche des Volksglaubens. Eine Sage über den Dobberworth auf Rügen greift Vorstellungen von Riesen und Zwergen auf, während „Das wundersame Trinkhorn“ Einblicke in die magische Vorstellungswelt der Slawen gibt. Die Geschichte der „Wundereiche als Arzt“ aus Barth beschäftigt sich mit der Heilmagie. Weitere Erzählungen handeln von übernatürlichen Wesen, Schadenszauber, Zauberkünstlern und einem sagenhaften Lindwurm aus Tützpatz.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den „Prillwitzer Idolen“. Im 18. Jahrhundert täuschten die Brüder Sponholz aus Neubrandenburg mit vermeintlichen Altertümern die wissenschaftliche Fachwelt. Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte dieser Fälschungen und zeigt Auszüge aus dem Zauberbuch des Gideon Sponholz. Zwei Bronzearbeiten des Künstlers Daniel Spoerri verdeutlichen, wie die Prillwitzer Idole auch die moderne Kunst beeinflussten.
Ein weiterer lokaler Bezug entsteht durch die Sage „Der geheimnisvolle Türklopfer“. Im Mittelpunkt steht ein historischer Türklopfer der Neubrandenburger Marienkirche, der heute zum Bestand des Regionalmuseums gehört. Anhand des Objekts werden Vorstellungen von Schutzmagie und die Bedeutung christlicher Symbole im Volksglauben erläutert.
Auch der Umgang mit Tod und Verstorbenen wird thematisiert. Zu den Exponaten gehören ein Totentanz aus Wismar, Reste einer Totenkrone aus Warnemünde sowie eiserne Grabkreuze aus dem Kulturquartier Neustrelitz.
Die Sagen wurden vom Rostocker Legendenforscher Dr. Hartmut Schmied erschlossen. Der Illustrator Steffen Jähde aus Sundhagen bei Greifswald hat die Geschichten mit detailreichen Bildern gestaltet. Zu den wichtigsten Leihgebern der Ausstellung zählen das CRYPTONEUM Legenden-Museum in Rostock und das Naturmuseum in Goldberg.
Vortragsreihe vertieft die Themen der Ausstellung
Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Sonderausstellung. In fünf Vorträgen beschäftigen sich Fachleute mit Hexenverfolgung, Sagenforschung, historischen Fälschungen und magischen Zeichen.
- 11. November 2026, 18:30 Uhr: Dr. Ivonne Burghardt, Leiterin des Penzliner Burgmuseums für Alltagsmagie und Hexenverfolgung, spricht über „Penzlins letzte Hexen – Eine Spurensuche“.
- 9. Dezember 2026, 18:30 Uhr: Der Archäologe und Altorientalist Leif Inselmann widmet sich dem Thema „Riesen zwischen Sage und Naturkunde“.
- 24. Februar 2027, 18:30 Uhr: Kuratorin Claudia Hoffmann beleuchtet „Die Prillwitzer Idole und das Zauberbuch des Gideon Sponholz“.
- 18. März 2027, 18:30 Uhr: Der Archäologe Gunnar Möller berichtet über „Hexenmarken und andere magische Zeichen an Bauwerken vom Spätmittelalter bis zur Neuzeit in Nordostdeutschland“.
- 16. Mai 2027, 14:00 Uhr: Zum Internationalen Museumstag gibt Dr. Hartmut Schmied unter dem Titel „Sagen-Werkstatt 2027. Hinter die Kulissen des Legenden-Museums geschaut“ Einblicke in seine Arbeit.
Zaubershows und Ferienkino
Auch Zauberkunst ist Teil des Begleitprogramms. Der Neubrandenburger Zauberkünstler Felix Jenzowsky, der zudem ausgewählte Objekte aus seinem Fundus für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hat, tritt am 18. November 2026 und am 13. Januar 2027 jeweils um 18:30 Uhr in der Sonderausstellung auf.
In Kooperation mit Latücht e. V. findet am 18. Februar 2027 von 10:30 bis 12:30 Uhr eine Filmvorführung in der Ausstellung statt. Gezeigt wird der Kinofilm „Bibi Blocksberg“ als Angebot für Kinder und Familien während der Winterferien.
Märchenwoche mit Führungen und Sagen zum Anhören
Anlässlich der Märchenwoche bietet Kuratorin Claudia Hoffmann mehrere Führungen durch die Ausstellung an. Das Sagen- & Märchenhaus Neubrandenburg ist Teil der Märchen- und Sagenstraße Mecklenburg-Vorpommerns und beteiligt sich an der Vermittlung der regionalen Erzähltraditionen.
Zusätzlich können Besucherinnen und Besucher die acht Sagen in der Ausstellung anhören. Eingesprochen wurden sie von Peter Brauer, dem Vorsitzenden des Soziokulturellen Bildungszentrums Neubrandenburg e. V. Die Präsentation entstand in Kooperation mit dem Märchenhaus.
Ausstellung auf einen Blick
„Allerlei Magisches. Sagen und Volksglaube in Mecklenburg-Vorpommern“
| Ort | Regionalmuseum Neubrandenburg |
| Eröffnung | Freitag, 30. Oktober 2026, 16:30 Uhr |
| Ausstellungszeitraum |
30. Oktober 2026 bis 16. Mai 2027 Mittwoch – Sonntag von 10:00 – 17:00 Uhr |
| Eintritt | 6,00 Euro / Person, Familienkarte 12,00 Euro |
Weitere Informationen: www.museum-neubrandenburg.de