Ursprung des Sports
Von 1803 bis 1804 unterrichtete Friedrich Ludwig Jahn in Neubrandenburg einige Schüler höherer Klassen. Bis dahin war Turnen in der Gesellschaft kaum verbreitet. Zwar gab es Wettkampfspiele, doch Bewegung als eigenständiger Zweck war neu.
Die Begegnung mit Pastor Franz Christian Boll, der mit seinen Schülern gezielte Leibesübungen am Tollensesee durchführte, beeinflusste Jahn maßgeblich. Während bei Boll die Gesundheitsförderung im Mittelpunkt stand, entwickelte Jahn die Idee gemeinsamer körperlicher Betätigung weiter – auch als Mittel zur Gemeinschaftsbildung und politischen Erziehung. Diese Gedanken brachte er aus Greifswald mit, fand in Neubrandenburg jedoch günstige Bedingungen, um sie weiterzuentwickeln.
Damit zählt Neubrandenburg zu den frühen Orten, an denen sich die Turnbewegung und damit ein wichtiger Teil der deutschen Sportkultur entwickelte.
Im 19. Jahrhundert war Turnen lange vor allem eine soziale Tätigkeit. In Turnvereinen trafen sich Bürger, die häufig auch in anderen Vereinen – etwa im Gesangsverein oder in der Freiwilligen Feuerwehr – aktiv waren. Gemeinsame Bewegung, Disziplin und Selbstorganisation galten als Ausdruck bürgerlichen Engagements. Der „Männer-Turnverein“ bestand in Neubrandenburg bereits seit 1863. Später entstanden weitere Vereine, in denen auch Frauen und Arbeiter aktiv sein konnten. Seit 1899 verfügte die Stadt zudem über eine eigene Turnhalle.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden vermehrt spezialisierte Sportvereine. Neben der gemeinschaftlichen Bewegung rückten nun auch Technik und Wettbewerb stärker in den Vordergrund. Mitte der 1920er Jahre konnten sich Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger unter anderem im Schießen, Radfahren, Segeln, Segelflug, Schach und Kegeln sportlich betätigen.
Die wachsende Bedeutung des sportlichen Wettbewerbs wurde auch durch die Olympische Bewegung geprägt. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Idee im Raum, Konflikte nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern im sportlichen Wettkampf auszutragen.
Diese Entwicklung wurde während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) unterbrochen. Viele Sportvereine wurden verboten oder aufgelöst. Die verbliebenen Organisationen wurden im „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“, ab 1938 im „Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen“, gleichgeschaltet und den politischen Zielen untergeordnet. Sport diente in dieser Zeit vor allem der ideologischen Beeinflussung, der Propaganda und der militärischen Vorbereitung.