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Datum: 10.09.2026

Belvedere umfassend saniert: Neubrandenburger Wahrzeichen ist wieder erlebbar

Nach umfangreicher Sanierung ist das Belvedere am Tollensesee wieder vollständig erlebbar. Seit Ende 2023 wurde das denkmalgeschützte Bauwerk nicht nur äußerlich instand gesetzt: Fundament und Mauerwerk, Fassaden, Dachkonstruktion und Innenraum wurden ebenso bearbeitet wie Treppen, Wege, Platzflächen und das unmittelbare Umfeld. Insgesamt hat die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg rund 2,3 Millionen Euro in Planungen, Gutachten und Bauleistungen investiert.

Was Besucherinnen und Besucher heute sehen, ist das Ergebnis einer umfassenden denkmalgerechten Sanierung. Ausgangspunkt waren unter anderem Feuchteschäden am Gebäude sowie Sanierungsbedarf an der Dachkonstruktion. Viele der nun abgeschlossenen Arbeiten sind von außen kaum zu erkennen, waren für den langfristigen Erhalt des Belvederes aber entscheidend.

„Wir bekommen einen Ort zurück, der seit mehr als 200 Jahren zu unserer Stadt gehört“, so Oberbürgermeister Nico Klose. „Ich wünsche mir, dass das Belvedere auch in den kommenden Jahrzehnten das bleibt, was es für viele Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger längst ist: ein vertrauter Ort über dem Tollensesee und ein Stück unserer Stadt.“

Mehrjährige Vorbereitung und Sanierung in drei Bauabschnitten

Bereits 2022 und 2023 wurden der Zustand des Belvederes und der angrenzenden Freianlagen grundlegend untersucht und erste restauratorische Gutachten erstellt. Diese Untersuchungen zeigten erhebliche Feuchteschäden in Dach und Wänden auf, die schnelles Handeln erforderten, um die Substanz zu sichern. Parallel stimmten sich der Eigenbetrieb Immobilienmanagement der Vier-Tore-Stadt, die beauftragten Architekten und Restauratoren eng mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und der Unteren Denkmalschutzbehörde ab.

Ende Dezember 2023 wurde das Baugerüst gestellt und die eigentliche Sanierung begonnen. Ein zeitweise vollständig geschlossenes und überdachtes Gerüst ermöglichte dabei auch witterungsunabhängige Arbeiten.

Aufgrund des Umfangs wurde die Sanierung in drei Bauabschnitte gegliedert. Zunächst standen Dach und Dachkonstruktion im Mittelpunkt. Es folgten unter anderem Gesimse, Profilierungen und Verzierungen sowie Innen- und Außenputz und die historische Farbgebung. Im letzten Bauabschnitt wurden 2025 Sockel undTreppenstufen instand gesetzt sowie die Freianlagen einschließlich Treppenanlagen und Natursteinstützmauern saniert und rekonstruiert.

Vom Fundament bis zur Stuckdecke

Am Fundament und Sockel wurden Teile des tragenden Feldsteinmauerwerks repariert, der historische Verputz rekonstruiert und die Eingangsstufen neu fundamentiert. Am aufgehenden Mauerwerk waren unter anderem der Austausch einzelner Ziegel und die Sanierung von Rissen notwendig.

Große Bereiche der Fassade erhielten neuen Putz aus hydraulischem Kalk – einem Material, das dem historischen Bestand entspricht und weiteren Feuchteschäden entgegenwirken soll. Auch die heutige Farbgebung und die Gliederung der Fassade entsprechen restauratorischen Befunden und historischen Bildquellen.

Umfangreich waren auch die Arbeiten am Dach. Die Dachhaut aus Holzschalung und Zinkblech wurde erneuert. Teile der tragenden Balken mussten ausgetauscht werden. Das hölzerne Traufgesims und die verputzten Giebeldreiecke wurden anhand historischer Bildquellen rekonstruiert. Auch zahlreiche historische Details wurden neu angefertigt.

Im Inneren wurden die Stuckdecke repariert und neu gefasst, der Fußboden gereinigt und punktuell ausgebessert sowie neue Sockelleisten angefertigt.

Auch das Umfeld wurde neu gestaltet

Die Sanierung endete nicht an den Außenwänden des Belvederes. Die Außenanlagen wurden in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern auf Grundlage historischer Unterlagen neu gestaltet.

Wege und Platzflächen erhielten eine wassergebundene Decke und wurden so angelegt, dass Oberflächenwasser künftig besser vom Gebäude weggeführt wird. Historische Gestaltungselemente wurden wieder aufgegriffen. Dazu gehören unter anderem Lesesteinpflaster auf den Treppenpodesten und rund um das Gebäude. Auf der Waldseite entstand ein Rasenparterre, der Eingangsbereich wurde platzartig erweitert. Zusätzliche Baumpflanzungen, Granit-Sitzblöcke und Fahrradanlehnbügel ergänzen die Anlage.

Zugleich wurden zugewachsene Sichtachsen freigestellt. Damit kommen die besondere Lage des Belvederes und der Blick über den Tollensesee und die Stadt wieder stärker zur Geltung.

Die Arbeiten an den Außenanlagen waren aufgrund der steilen Hanglage technisch und logistisch anspruchsvoll. Für den Transport der benötigten Materialien musste eigens eine steile Baustraße angelegt werden. Dieser erhebliche Aufwand ist in der heute fertiggestellten Anlage kaum noch zu erkennen.

Historisches Erscheinungsbild als Maßstab

Eine besondere Herausforderung bestand darin, die verschiedenen historischen Entwicklungsphasen des Belvederes zusammenzuführen. Historische Unterlagen, Bildquellen und restauratorische Befunde bildeten deshalb die Grundlage zahlreicher Entscheidungen. Im Ergebnis konnte der den Denkmalwert des Bauwerks und seiner Umgebung langfristig gesichert und zugleich eine zeitgemäße Nutzung ermöglicht werden.

Während der Arbeiten kam es zudem zu Verzögerungen. Neben der winterlichen Unterbrechung mussten erhebliche Vandalismusschäden an den Freitreppen beseitigt werden. Um das Denkmal künftig besser vor Beschädigungen zu schützen, wurde eine Videoüberwachung installiert.

2,3 Millionen Euro für den Erhalt des Belvederes

Die Vier-Tore-Stadt finanziert die umfassende Sanierung aus eigenen Mitteln. Fördermittel standen hierfür nicht zur Verfügung.

Erste Trauungen – Reservierungen reichen bereits bis 2027

Mit Abschluss der Sanierung kehrt auch eine besondere Nutzung zurück: Das Belvedere steht wieder als Trauort der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg zur Verfügung. Die erste Eheschließung fand bereits am 5. September statt, für 2026 sind bereits zwei weitere  vorgesehen. Für 2027 liegen derzeit sieben Reservierungen vor.

Das Standesamt rechnet dabei auch mit Interesse über die Region hinaus. Schon vor der Sanierung kamen Brautpaare von außerhalb nach Neubrandenburg, um sich am Tollensesee das Ja-Wort zu geben. Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten können bei den Trauungen auch individuelle Wünsche, beispielsweise Live- oder Wunschmusik sowie eine persönlich gestaltete Traurede, berücksichtigt werden.

Für die Standesbeamtinnen und Standesbeamten ist die Rückkehr an diesen besonderen Trauort ebenfalls etwas Besonderes: Mit dem Blick über den Tollensesee gehört das Belvedere wohl zu den außergewöhnlichsten Arbeitsplätzen der Stadt.

Hintergrund: Vom Teehaus zum Neubrandenburger Wahrzeichen

Die Geschichte des Belvederes reicht weiter zurück als das heutige Gebäude. Bereits um 1750 befand sich an dieser Stelle ein Vorgängerbau, der später vollständig abgerissen wurde. 1822/23 errichtete Friedrich Wilhelm Buttel hier ein herzogliches Teehaus. Damals war das Gebäude noch geschlossen, mit Türen an den Giebelseiten und Fenstern an den Längsseiten.

Sein heutiges offenes Erscheinungsbild erhielt das Belvedere erst 1934/35. Nach Plänen des Architekten Heinrich Tessenow wurde es zu einem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges umgebaut. Fenster und Türen verschwanden, Freitreppen und Mauern entstanden, der Vorplatz wurde als Aufmarschplatz neu gestaltet.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude weitgehend unbeschädigt, verfiel jedoch in den folgenden Jahrzehnten zunehmend. Pläne für eine Freilichtbühne Ende der 1970er-Jahre wurden nicht verwirklicht. Um 1990 waren die Öffnungen zugemauert, das Gebäude wurde zeitweise als Lager genutzt.

1995/96 wurde das Belvedere erstmals umfassend saniert und wieder als Ausflugsort gestaltet. Rund drei Jahrzehnte später machten vor allem ein undichtes Dach und Feuchtigkeit im Mauerwerk eine erneute grundlegende Sanierung notwendig. Diese ist nun abgeschlossen.