6. »One Billion Rising 2025«
14.02.2025
Neubrandenburg
Zeichen setzen für Gewaltfreiheit!
Am 14. Februar 2025 fand auf dem Neubrandenburger Marktplatz, traditionell der weltweite Aktionstag „One Billion Rising“ statt. Im Herzen der Stadt wurde die Initiative bereits zum sechsten Mal durch die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, den Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern e.V. und vielen weiteren Partnern realisiert. Jacqueline Bernhardt, Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz in Mecklenburg-Vorpommern, übernahm zum vierten Mal die Schirmherrschaft. An Informationsständen wurde zum Thema Gewalt an Frauen und Mädchen informiert. Im Anschluss wurde ein Bühnenprogramm durchgeführt und gemeinsam zum Aktionslied „Break the Chain" getanzt. Die Gleichstellungsbeauftragte Christina Küster war sehr berührt über die starke Teilnahme von fast 190 Interessierten und bedankte sich bei allen Mitwirkenden für die Solidarität und das große Engagement.
Mirko Hertrich, Nordkurier berichtete:
Darum wurde heute auf dem Neubrandenburger Marktplatz getanzt
In der Neubrandenburger Innenstadt wurde am Freitagnachmittag getanzt. Hinter der Aktion steckt ein ernster Grund. Mehr als 100 Menschen haben am Freitagnachmittag mit einer Tanzaktion auf dem Neubrandenburger Marktplatz für Aufsehen gesorgt. Grund für die Tanzdemonstration war der weltweite Aktionstag „One Billion Rising“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „eine Milliarde erhebt sich“. Zu dem gleichnamigen Lied und weiteren Titeln tanzten Frauen sowie einige Männer gemeinsame Choreografien. Einstudiert wurde sie von Tanzlehrerin Yvonne Schnee. Sie hielt eine emotionale Ansprache. „Das ist für mich ein sehr großes Herzensprojekt“, sagte sie mit stockender Stimme ins Mikrofon. Sie selbst habe das auch erlebt, man werde als Betroffene „nicht immer gehört und gesehen“. „Und man selber denkt, was hat man falsch gemacht.“ Für sie sei es aber „stark, einfach aufzustehen und zu sagen, wir schaffen das“. Dazu wolle sie „jedes Mal wieder animieren und wenn es nur mit dem Tanzen ist“. Sie hob auch die Anlaufstellen im Netzwerk in Neubrandenburg hervor, die Betroffene „wirklich gut beraten und viele Sachen möglich machen“. Der Aktionstag sei bewusst auf den Valentinstag gelegt worden. „Der Valentinstag sollte eigentlich ein unbeschwerter Tag der Liebe sein – die Realität vieler Frauen und Mädchen ist jedoch eine andere“, sagte Neubrandenburgs Gleichstellungsbeauftragte Christina Küster. Sie verwies darauf, dass jede dritte Frau in ihrem Leben Gewalt erfahre. Neubrandenburgs Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann (CDU) unterstrich die Wichtigkeit des Frauenschutzprojekts in Neubrandenburg, für dessen weitere Finanzierung sich Stadtvertretung und Kreistag gemeinsam einsetzt hätten. Frank Benischke vom Landessportbund MV, der auch Chef der CDU-Fraktion im Kreistag ist, äußerte sich zuversichtlich, dass die Kapazitätserweiterung im Frauenhaus realisiert werden könne. Wie notwendig die ist, legte bei der Veranstaltung Carmen Fuchs vom Neubrandenburger Verein Quo vadis dar. Die Kapazitäten blieben seit Jahren hinter steigenden Anforderungen zurück. Wegen der prekären Finanzierungslage müssten Anfragen abgelehnt oder sogar Angebote eingestellt werden, sodass bedürftige Frauen teils keinen Platz im Frauenhaus bekämen. Die Mitarbeiterin der Neubrandenburger Beratungsstelle für Opfer sexualisierte Gewalt gab zu bedenken, dass beispielsweise die Beratungsstelle in Demmin habe schließen müssen. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit fast 260.000 Einwohnern gebe es mit Neubrandenburg und Waren (Müritz) nur noch zwei spezialisierte Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt. „Das reicht nicht." An der Aktion, die zum sechsten Mal durchgeführt wurde, sind die Stadt Neubrandenburg, der Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern und weitere Partner beteiligt. Für die Teilnehmer der Aktion wurden im Voraus Tanztrainings angeboten. Vor der Tanzaktion wurde an Infoständen über das Thema Gewalt informiert. Deutschlandweit gab es über 150 solcher Tanzaktionen, in Mecklenburg-Vorpommern fanden diese neben Neubrandenburg auch in Rostock und Wismar statt.