Open-Air-Ausstellung über Fußballfans in der DDR kommt nach Neubrandenburg: »Im Objektiv der Staatsmacht« zeigt Überwachung und Alltag in den Stadien
Die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg zeigt vom 21. Mai bis 21. Juni 2026 die Open-Air-Wanderausstellung „Im Objektiv der Staatsmacht. Fußballfans im Blick von Stasi und Volkspolizei“ in der Turmstraße.
Die Ausstellung widmet sich einem besonderen Kapitel der DDR-Geschichte: dem Spannungsfeld zwischen Fußballbegeisterung, gesellschaftlichem Alltag und staatlicher Kontrolle. Auf insgesamt 18 Tafeln werden zahlreiche historische Fotografien gezeigt, die den Blick der Sicherheitsorgane auf Fußballfans in den 1970er- und 1980er-Jahren dokumentieren.
Ausstellungseröffnung
Die Ausstellung wird im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung eröffnet:
Datum: Donnerstag, 21. Mai 2026
Ort: Turmstraße, Neubrandenburg
Zum Auftakt ist folgendes Programm vorgesehen:
- 16:00 Uhr: Eröffnung in der Turmstraße durch Oberbürgermeister Nico Klose, anschließend kurze Kuratorenführung
- 17:00 Uhr: Podiumsdiskussion im Stadtarchiv mit dem Kurator der Ausstellung René Wiese. Zu Gast sind der Chemie-Leipzig-Fan Jens Fuge sowie der 1983 geflüchtete Fußballspieler Dirk Schlegel (BFC Dynamo/Bayer Leverkusen).
Der Eintritt ist frei.
Fußball zwischen Leidenschaft und Kontrolle
Fußballstadien waren in der DDR Orte großer Emotionen – aber auch Räume, in denen sich gesellschaftliche Spannungen zeigten. Fans äußerten Kritik, griffen westliche Einflüsse auf oder setzten mit Sprechchören Zeichen. Damit gerieten sie zunehmend in den Fokus von Staatssicherheit und Volkspolizei.
Die Ausstellung zeigt, wie Zuschauer zu Beobachteten wurden: Sicherheitskräfte dokumentierten das Verhalten von Fans mit verdeckten Methoden, etwa getarnt als Sportreporter oder mit versteckten Kameras. Die Aufnahmen bildeten häufig die Grundlage für weitere Maßnahmen – von Registrierung bis hin zu Repression.
Einblick in Alltag, Protest und Überwachung
Die gezeigten Fotografien machen deutlich, aus welchen Gründen Fans ins Visier der Behörden gerieten: regimekritische Parolen, Sympathien für westdeutsche Vereine oder das Übernehmen von Fankultur aus dem Westen konnten bereits als auffällig gelten.
Gleichzeitig dokumentiert die Ausstellung auch gesellschaftliche Entwicklungen innerhalb der Fanszenen, darunter das Auftreten von gewaltbereiten Gruppen sowie politische und soziale Spannungen.
Ergänzend richtet sich der Blick auch auf Fußballstadien in der Bundesrepublik und zeigt, wie dort mit Themen wie Gewalt und politischem Protest umgegangen wurde.
Dreisprachiges Angebot mit digitalen Inhalten
Die Ausstellung ist dreisprachig (Deutsch, Englisch, Polnisch) angelegt und über QR-Codes mit einer Website verknüpft. Dort stehen zusätzliche Inhalte wie vertiefende Texte, Fotos, Audio-Kommentare und kurze Filme zur Verfügung.
Hintergrund
Die Ausstellung ist ein Projekt des Zentrums deutsche Sportgeschichte e. V. und der Ausstellungsagentur exhibeo in Kooperation mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv, Zweigstelle Neubrandenburg, sowie der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg.
Gefördert wird sie unter anderem durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die DFB-Kulturstiftung und die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.
Nach Stationen unter anderem in Leipzig, Potsdam, Cottbus und Köln ist die Ausstellung nun in der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg zu sehen.