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Dialogforum zur Kinder- und Jugendbeteiligung: Neubrandenburg entwickelt verbindliche Richtlinie für Mitbestimmung

Am Montag fand im Haus der Kultur und Bildung (HKB) das 1. Dialogforum zur Kinder- und Jugendbeteiligungsrichtlinie der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg statt. Schülerinnen und Schüler aus Neubrandenburger Schulen kamen gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung und Politik zusammen, um die künftige Beteiligung junger Menschen aktiv mitzugestalten.

In zwei altersgerechten Formaten handelten zunächst Kinder der 5. und 6. Klassen, anschließend Jugendliche der 7. bis 10. Klassen aus, wie sie sich künftig in kommunale Entscheidungsprozesse einbringen möchten.

„Kinder und Jugendliche sind Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt. Wenn wir unsere Stadt zukunftsfähig gestalten wollen, müssen wir ihre Sichtweisen ernst nehmen und ihnen echte Mitwirkung ermöglichen“, so Oberbürgermeister Nico Klose, der am Dialogforum teilnahm und damit die Bedeutung des Themas unterstrich. „Genau darum geht es uns: Beteiligung nicht als Angebot, sondern als festen Bestandteil kommunaler Entscheidungen zu verankern.“

Wie viel Mitbestimmung soll es geben

Im Mittelpunkt der Dialogforen stand die Frage, wie und in welchem Umfang Kinder und Jugendliche künftig beteiligt werden sollen. Aufbauend auf einer bereits durchgeführten Bedarfsanalyse definierten die Teilnehmenden selbst, welchen Einfluss sie bei verschiedenen Themen, beispielsweise Bau von Spiel- und Sportplätzen, Ausstattung von Schulen, öffentliche Plätze oder Sauberkeit der Stadt haben möchten - von Information über Mitgestaltung bis hin zur Mitentscheidung. Die Ergebnisse fließen in eine Richtlinie ein, die nach dem Prinzip „Muss – Soll – Kann“ aufgebaut wird

  • Muss-Beteiligung: bei Themen, die junge Menschen direkt betreffen
  • Soll-Beteiligung: bei relevanten Vorhaben, etwa in Stadtteilen
  • Kann-Beteiligung: flexibel und projektbezogen

Ergebnisse fließen direkt in den Richtlinienentwurf ein

Die im Dialogforum sowie in weiteren Workshops erarbeiteten Ergebnisse fließen in die Entwicklung eines Richtlinienentwurfs ein. Dieser wird im nächsten Schritt innerhalb der Steuerungsgruppe für Kinder- und Jugendbeteiligung weiter konkretisiert und abgestimmt. Anschließend wird der Entwurf den Teilnehmenden, der Stadtvertretung sowie der Stadtverwaltung vorgestellt, bevor er in die Abstimmung geht.

Dabei handelt es sich ausdrücklich um einen sorgfältig angelegten Prozess, der die Grundlage für den Aufbau einer nachhaltigen Beteiligungsstruktur legt. Die Umsetzung der entwickelten Ansätze erfolgt dabei schrittweise und erfordert – wie bei strukturellen Veränderungsprozessen üblich – einen gewissen Zeitraum. In der Praxis zeigt sich häufig ein Zeitraum von ein bis zwei Jahren, da bestehende Abläufe angepasst und neue Verfahren in Verwaltung und Politik gemeinsam verankert werden.

Beteiligung wird systematisch ausgebaut

Neubrandenburg baut die Kinder- und Jugendbeteiligung seit mehreren Jahren gezielt aus. Mit einer fest im Rathaus verankerten Koordinationsstelle, der im April 2026 beschlossenen Satzung für einen Kinder- und Jugendbeirat sowie klaren Beteiligungsrechten in Ausschüssen und Stadtvertretung wurde bereits eine wichtige Grundlage geschaffen.

Die nun entwickelte Beteiligungsrichtlinie ist ein weiterer Schritt, um die Mitwirkung junger Menschen künftig noch verbindlicher in Verwaltungs- und Entscheidungsprozessen zu verankern.

Hintergrund

Der Fokus auf Kinder und Jugendliche ergibt sich aus ihrem besonderen Recht auf Beteiligung sowie dem Ziel, frühzeitig demokratische Kompetenzen zu fördern und ihre Perspektiven systematisch in kommunale Entscheidungsprozesse einzubringen. Während Beteiligungsformate für andere Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise Seniorinnen und Senioren, ebenfalls wichtig sind, liegt der Schwerpunkt dieses Prozesses bewusst auf jungen Menschen, da für sie oft weniger etablierte Beteiligungsstrukturen bestehen und ein besonderer Entwicklungs- und Förderbedarf gegeben ist.

Diese Gremien gibt es derzeit:

  • AG für Kinder- und Jugendbeteiligung
    eine von der Stadtvertretung berufene Arbeitsgruppe, die das Thema Beteiligung bearbeitet. In diesem Zuge wurde die Notwendigkeit der Verbindlichkeit der Kinder- und Jugendbeteiligung erkannt und die Erarbeitung einer Richtlinie sowie die Gründung eines Beirates vorangetrieben.
  • Steuerungsgruppe für Kinder- und Jugendbeteiligung
    Schnittmenge der o.g. AG für die konkrete Erarbeitung der Beteiligungsrichtlinie
  • Kinder- und Jugendbeirat
    ein neu zu bildendes Gremium laut Beschluss der Stadtvertretung vom April 2026
Weitere Informationen unter www.neubrandenburg.de/KiJuB 
07.05.2026